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Eine Hypothek, etwas Pech und fehlende Stürmertore

Mit dem 5:3 gegen die USA und dem 9. Schlussrang ging für die Schweiz in Kosice eine insgesamt enttäuschende WM zu Ende. Den angestrebten Viertelfinal hat Sean Simpson mit seinem Team verpasst. Vom «Schritt nach vorne» waren die Schweizer ein grosses Stück entfernt.

fest / Quelle: Si / Montag, 9. Mai 2011 / 18:46 h

Die WM in der Slowakei bewies aus Schweizer Sicht einmal mehr, dass der Grat zwischen dem Einzug in die Viertelfinals und dem vorzeitigen Scheitern äusserst schmal ist. Nach dem verdienten Sieg zum Abschluss gegen die USA weisen die Schweizer «wie üblich» an einer WM drei Siege aus sechs Partien aus. Weil sie aber gegen die «falschen» Gegner Punkte abgaben, bleibt den Schweizern der Vorstoss in die K.o.-Phase und die Weiterreise nach Bratislava verwehrt. Drei statt zwei Punkte beim 1:0 nach Verlängerung gegen die Franzosen oder ein Sieg (statt einer 2:3-Niederlage) gegen die Norweger hätte den Schweizern zum Weiterkommen gereicht.

Hohe Erwartungen

Der angestrebte Schritt vorwärts nach der gelungenen Premiere unter Simpson vor einem Jahr in Deutschland (Platz 5) ist den Schweizern deshalb nicht gelungen. Das WM-Team 2011 war nicht kompetitiver als jenes 2010, obwohl Simpson dieses Mal weit weniger Absagen zu verkraften hatte. Die in jeder Hinsicht problemlos verlaufene Premiere in Mannheim vor einem Jahr und die gelungene Vorbereitung in diesem Frühling wurden zur Hypothek für Sean Simpson; die Erwartungen stiegen, nicht zuletzt dank der im Vergleich zu Simpsons Vorgänger Ralph Krueger zweifellos attraktiveren Spielweise.

Das offensiver ausgerichtete Spiel unter Simpson birgt das Risiko von Überraschungen. Und an den zwei Turnieren wirkten sich diese vor allem im negativen Sinn aus. Die Schweizer müssen aufpassen, dass sie die vielleicht wertvollste Eigenschaft, die sie sich in den Jahren unter Ralph Krueger angeeignet hatten, nicht verspielen: Die Fähigkeit entscheidende Spiele zu gewinnen. Unter Simpson verlor die Schweiz nun bereits zweimal ein solches «big game»: vor einem Jahr im Viertelfinal gegen Deutschland (0:1) und nun in der Zwischenrunde gegen Norwegen (2:3). Der vermeintlich wichtige Sieg gegen Weissrussland (4:1) in der Vorrunde dieser WM wurde durch das schwache Abschneiden der Osteuropäer (14.) relativiert.

Verletzungspech und fehlende Alternativen

Aus Nordamerika stand dieses Jahr einzig Luca Sbisa (und der nicht berücksichtigte Yannick Weber) zur Verfügung. Verteidiger wie Mark Streit und Roman Josi oder ein Stürmer wie Roman Wick hätte die Schweizer Equipe gut gebrauchen können. Hinzu kam Verletzungspech: Mit Thomas Déruns noch vor dem ersten Puckeinwurf und Goran Bezina nach dem dritten Vorrundenspiel (3:4 n.V. gegen Kanada) fielen zwei Spieler aus, welche Simpson nicht gleichwertig ersetzen konnte.

Ein dickes Fragezeichen hinterlässt die Tatsache, dass Simpson in der Schweiz keine Spieler auf Pikett stellte. Es war purer Zufall, dass der nach Bezinas Verletzung nachselektionierte John Gobbi zur Verfügung stand und nicht irgendwo am Strand lag. Zudem konnten oder wollten Simpson und der Verband nicht restlos aufklären, wieso Yannick Weber tatsächlich nicht selektioniert wurde. Sportliche Gründe können es nicht nur gewesen sein, sonst hätte Simpson nach Bezinas Verletzung kaum wieder auf den NHL-Verteidiger zurückgreifen wollen.

Das Stürmerproblem

Einmal mehr wurde in der Slowakei ersichtlich, dass es dem Schweizer Eishockey im internationalen Vergleich an produktiven Stürmern mangelt. Dies ist keine neue Erkenntnis, wurde aber einmal mehr bestätigt. Dass sich weiterhin kein Schweizer Stürmer in der NHL durchgesetzt hat, ist kein Zufall. Nur 2,5 Tore pro Spiel (bei total 196 Schüssen/Effizienz von 7,65 Prozent) brachten die Schweizer in sechs Partien zustande, sechs davon gingen auf das Konto von Verteidigern. Abschlussstarke Offensivkräfte (wie Wick oder Damien Brunner) hätte das Schweizer Team gut gebrauchen können. Das Stürmerproblem verstärkte sich in Kosice, weil etablierte Stürmer wie zum Beispiel Julien Sprunger (1 Assist) unter ihrem Wert agierten oder das Duo Andres Ambühl/Thibaut Monnet (zusammen 3 Skorerpunkte) nicht die Effizienz aus dem Vorjahr (10) erreichte.

Goalies stark, Defensive solid

In der Defensive überzeugten die Schweizer wie im Vorjahr im Boxplay. In 13 WM-Spielen unter Simpson hat die Schweiz erst einen Treffer in Unterzahl (bei der Niederlage gegen Norwegen) kassiert. Auch sonst ist der Schweizer Hintermannschaft wenig vorzuwerfen, auch wenn mit Streit, Josi, Patrick von Gunten und Severin Blindenbacher vier spielstarke Verteidiger fehlten. Mit Tobias Stephan und Leonardo Genoni besass die Schweiz schon fast traditionell starke Torhüter. Die internationalen Limiten von Verteidigern wie Beat Gerber, Philippe Furrer oder Julien Vauclair wurden ersichtlich. Und Captain Mathias Seger besass an seiner 13.



Entäuschung zum vorzeitigen Aussscheiden trotz Sieg bei Ryan Gardner, Kevil Loetscher und Simon Moser. / Foto: EQ Images

WM zudem nicht mehr jenen Einfluss wie in früheren Jahren. Der NHL-Spieler Luca Sbisa steigerte sich nach einer Angewöhnungszeit von zwei Partien und stieg in der Team-Hierarchie kontinuierlich auf.

Schweiz - USA 5:3 (2:1, 2:1, 1:1)
Steel Arena, Kosice. - 4939 Zuschauer. - SR Rönn/Sindler (Fi/Tsch), Novak/Schulz (Slk/De). - Tore: 12. (11:01) Smith (Wilson, Shattenkirk) 0:1. 12. (11:35) Lötscher (Simon Moser) 1:1. 15. Diaz (Martin Plüss) 2:1. 22. Rüthemann (Bieber, Martin Plüss) 3:1. 27. Shannon (Miele/Strafe angezeigt) 3:2. 32. (31:00) Lötscher 4:2. 59. van Riemsdyk (Fowler, Stepan) 4:3 (ohne Torhüter). 60. (59:43) Gardner (Martin Plüss, Trachsler) 5:3 (ins leere Tor). - Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 2mal 2 Minuten gegen die USA.

Schweiz: Stephan; Diaz, Sbisa; Philippe Furrer, Julien Vauclair, Du Bois, Seger; Gobbi, Beat Gerber; Bieber, Martin Plüss, Rüthemann; Lötscher, Trachsler, Simon Moser; Sprunger, Ambühl, Monnet; Stancescu, Gardner, Rubin.

USA: Conklin (32. Montoya); Shattenkirk, Johnson; Komisarek, Stuart; Fowler, McDonagh; Wilson; Wheeler, Stepan, Smith; Shannon, Miele, van Riemsdyk; Skille, Stapleton, Kreider; Brown, Gaustad, Porter; Stastny.

Bemerkungen: Schweiz ohne Bezina (verletzt), Romano Lemm, Manzato (beide überzählig) und Genoni (Ersatztorhüter). Pfostenschuss Bieber (22.). Timeout USA (59.). USA von 58:12 bis 58:17 und von 58:47 bis 59:43 ohne Torhüter. - Schüsse: Schweiz 29 (10-10-9); USA 34 (9-11-14). - Powerplay: Schweiz 2/0; USA 2/0.

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