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Der schönste Applaus für Roger Federer

Der König hat seine Krone zurück. Roger Federer sicherte sich durch Siege innert 24 Stunden gegen Andy Roddick (6:2, 6:4) und Novak Djokovic (6:4, 3:6, 6:1) als erster Spieler den vierten Titel an den Davidoff Swiss Indoors.

Marco Keller, Basel / Quelle: Si / Montag, 8. November 2010 / 00:00 h

Um 17.16 Uhr erhielt Roger Federer in der St. Jakobhalle einen ganz besonderen Applaus. Als er aus der Hand von Turnierdirektor Roger Brennwald den goldenen Siegerpokal entgegennahm, klatschten auch zwei ganz junge Supporter: Myla Rose und Charlene Riva, Federers 15 Monate alte Zwillingstöchter, waren extra für die Siegerehrung an den Platzrand gebracht worden, wo sie zusammen mit Mutter Mirka und der Gemahlin von Reto Staubli die Zeremonie verfolgten. «Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie dabeisein würden, aber das wertet diesen emotionalen Moment noch mehr auf, es war wunderschön.»

Die Steigerung im Schlusssatz

Wenige Minuten vorher war der Applaus ohrenbetäubend ausgefallen: Als Roger Federer den Matchball mit einer «Wunder-Rückhand» longline versenkte und danach in Jubel ausbrach, jubelte mit ihm das ganze Stadion, so, dass man es wohl bis in die Innenstadt hören konnte. «Solche Momente mit den Zuschauern teilen zu können, bedeutet mir alles. Dafür arbeite ich das ganze Jahr hart.»

Eine Steigerung punkto Euphorie ist hierzulande wohl kaum mehr vorstellbar, ausser wenn -- Träumen muss erlaubt sein -- dereinst das Davis-Cup-Team einen Final bestreiten sollte. Auch Federer selber war die Situation ans Herz gegangen: «Bei 5:1 wurde ich sehr emotional und es sind mir fast die Tränen gekommen. Das ist schön und zeigt, wie gerne ich das Tennis immer noch habe. Ich könnte im Moment nicht glücklicher sein.»

Sieg hoch verdient

Federers Sieg war hochverdient, im dritten Satz legte er massiv zu. Er gewann 16 von 17 Punkten bei eigenem Service und wenn er nicht im zweiten Game zwei Penalties hintereinander vergeben hätte, dann hätte er Djokovic im 18. Duell wohl erstmals ein «zu null» aufgezwungen. Nach dem 12. Sieg gegen den Serben dürfte ihn dieses statistische Details nicht im Mindesten gestört haben, ebenso wenig die Tatsache, dass er wie schon am Vortag gegen Roddick nach einer kleinen Schwächephase früh mit Break in Rückstand geraten war und letztlich gegen Djokovic dann auch den einzigen Satz im Turnierverlauf abgab.

Der Serbe trauerte dem Anfang des Entscheidungssatzes nach: «Insgesamt war es eine sehr gute Woche, aber ich bedaure, dass ich da kurz die Konzentration und die Balance verloren habe. Roger hat dies ausgenützt und ich war blitzschnell 1:5 hinten und da hatte ich natürlich keine Chance mehr.» Die erste Niederlage im zehnten Spiel in Basel brachte ihn aber nicht von seinem Faible für Basel ab: «Wir haben zwar noch keinen Vertrag für das nächste Jahr, aber ich möchte auf jeden Fall wieder hier spielen.»

Wiedergefundene Konstanz

Federer ist nun der erste Spieler, der in Basel zum vierten Mal triumphiert hat. Was für das Turnier in seiner Heimatstadt eine schöne Premiere bedeutet, ist für ihn schon fast Routine: Basel ist der neunte Ort, an dem er mindestens viermal gewinnt, nach Wimbledon (6), US Open und Halle (je 5) sowie dem Australian Open, Cincinnati, Dubai, Hamburg und dem Masters.

Der zweite Titel in Serie nach Stockholm ist auch Beleg für wiedergefundene Konstanz. Letztmals hatte er im Sommer 2009 (Paris/Wimbledon) an zwei Turnieren hintereinander gesiegt.



Roger Federer küsst den Pokal. / Foto: EQ Images

Seit dem Viertelfinal-Out in Wimbledon hat Federer 26 von 29 Partien für sich entschieden und mit Ausnahme des US Open (Halbfinal-Out nach zwei Matchbällen gegen Djokovic) stets das Endspiel erreicht.

Voller Frische nach Paris

Durch den 65. Turniersieg, womit er hinter Jimmy Connors, Ivan Lendl und John McEnroe und alleine vor Pete Sampras Platz 4 in der Ewigen Rangliste belegt, macht er im Ranking 200 Punkte gut, kann den Rückstand auf Rafael Nadal aber nur marginal verringern. Allerdings hat Federer in dieser Woche in Paris-Bercy (in Absenz des Spaniers) weiter die Möglichkeit, Terrain gutzumachen. Nach einem Freilos startet er in der französischen Kapitale wohl am Mittwoch gegen Nicolas Mahut oder Richard Gasquet. Als Bestmarke stehen für Federer im Palais-Omnisports vergleichsweise enttäuschende Viertelfinal-Qualifikationen (3) zu Buche.

Resultate:
Basel. Davidoff Swiss Indoors. ATP-Turnier (1,755 Mio Euro/Hart, Halle). Einzel, Halbfinals: Roger Federer (Sz/1) s. Andy Roddick (USA/4) 6:2, 6:4. Novak Djokovic (Ser/2) s. Viktor Troicki (Ser) 7:6 (7:4), 6:4. -- Final: Federer (1) s. Djokovic (2) 6:4, 3:6, 6:1.

Doppel, Halbfinals: Bob Bryan/Mike Bryan (USA/1) s. Yen-Hsun Lu/Janko Tipsarevic (Taiwan/Ser) 6:1, 6:2. Daniel Nestor/Nenad Zimonjic (Ser/Ka/2) s. Eric Butorac/Jean-Julien Rojer (USA/Holländische Antillen) 3:6, 7:5, 10:7. -- Final: Bryan/Bryan (1) s. Nestor/Zimonjic (2) 6:3, 3:6, 10:3.

 


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