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Abdankung für Stephanie Glaser in ZürichZürich - Eine warmherzige, humorvolle und gradlinige Persönlichkeit, die auch im Erfolg ohne Starallüren blieb: Diese Charakterisierung der verstorbenen Schauspielerin Stephanie Glaser durchzog die Abdankungsfeier vom Mittwoch im Zürcher Fraumünster wie ein roter Faden.ht / Quelle: sda / Mittwoch, 26. Januar 2011 / 19:03 h
Hunderte Menschen strömten am Mittwochnachmittag ins Zürcher Fraumünster, um der verstorbenen Schauspielerin Stephanie Glaser «Adieu» zu sagen. Pfarrer Paul Leuzinger würdigte den Menschen, der Stephanie Glaser hinter all ihren Rollen war.
Der wohl ergreifendste Moment war der Augenblick, als sich Schauspieler Matthias Gnädinger aus der Kirchenbank erhob und sich - sichtlich bewegt und ausser Programm - an die Trauergemeinde wandte: Stephanie Glaser sei eine Mutter für ihn gewesen, er ihr Sohn. Er forderte die mehreren hundert Anwesenden auf, sich zu einem Applaus für die Verstorbene zu erheben.
Regisseur Rolf Lyssy hatte zuvor mit Erinnerungen aus einer jahrzehntelangen Freundschaft zur grossen Schauspielerin gesprochen: «Leise und sanft hast du uns verlassen, ganz im Gegensatz zu deinem Leben». Damit habe Stephanie Glaser der Öffentlichkeit «ein Schnippchen geschlagen».
Bühnenkollege Jörg Schneider erinnerte an eine «grossartige Schauspielerin, eine liebenswürdige Kollegin, einen Menschen, den man gern haben musste». Zwar sei Stephanie Glaser «nicht uneitel» gewesen. Sie genoss den Erfolg - aber «ganz und gar ohne Starallüren». Und niemals habe man sie über andere lästern hören.
Freche, offene Schweiz Wie alt Bundesrat Moritz Leuenberger ausführte, lebte Stephanie Glaser das Wort «Die Welt eine Bühne - das Leben ein Spiel». Sie habe Rollen gespielt in Filmen, die sich mit dem menschlichen Verhalten auseinandersetzten. Mal war sie die Gute, mal die Böse, mal die Dienerin, mal die Herrin. Aber «nie liess sie sich in ein Klischee pressen». Sie verkörperte die wache, offene, neugierige Schweizerin und die offene, kritische Schweiz habe ihr dies vergolten mit Auszeichnungen wie dem Prix Walo oder dem Spezial-Leoparden. Stephanie Glaser habe immer wieder gezeigt, wie die Schweiz auch sein könne: Frech, offen, fröhlich, wach. In seiner Kurzpredigt ging Paul Leuzinger, reformierter Pfarrer an Glasers Wohnort Zürich-Witikon, auf Stephanie Glaser, den Menschen hinter den vielen Rollen, ein.Sichtlich bewegt: Matthias Gnädinger. / Foto: Johannes Dietschi newspictures.ch
Stephanie Glaser. / Foto: EQ Images
Er höre noch ihre «typische Gauloise-Stimme», sagte Leuzinger: «Alt sii...zfride sii...das bini!» «Von wem müssen wir uns heute verabschieden?», fragte Leuzinger die Trauergemeinde. Sicher auch von der Darstellerin der Trinette in den Gotthelf-Filmen, von der Tante Elise vergnüglicher Fernsehabende oder von der Martha Jost der «Herbstzeitlosen». Abschied nehme die Trauergemeinde aber vom Menschen Stephanie Düby-Glaser, «einzigartig wie wir alle, schillernd in der Persönlichkeit, wie wir alle». Bezugnehmend auf ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer sagte Pfarrer Leuzinger, letztlich seien und blieben wir einander und sogar uns selbst ein Geheimnis. «Sich-Selbst-Enthoben-Sein» Dabei könnten wir aber darauf zählen, dass Gott uns kenne. Dies enthebe uns «einer bemühenden Suche nach uns selbst». Und etwas von diesem «Sich-Selbst-Enthoben-Sein» habe er auch an Stephanie Glaser wahrgenommen. Besonders in ihren alten Tagen. Als der grosse Erfolg kam - Leuzinger spielte hier auf Glasers Grosserfolg im Film «Die Herbstzeitlosen» aus dem Jahr 2006 an - «konnte sie es auch geniessen. Und wie!» Und nun sagten wir Stephanie Glaser öffentlich «Adieu» und gäben Gott sein Geschöpf zurück, sagte Leuzinger. «Wir tun dies mit grosser Dankbarkeit». Stephanie Glaser starb am 14. Januar 2011. Am 22. Februar wäre sie 91 Jahre alt geworden. Noch wenige Tage vor ihrem Tod wirkte sie in einem Kurzfilm mit: Im Zürcher Hauptbahnhof drehte sie eine Abschiedsszene.
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