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Van Garderen - die Hoffnung des «halben» Schweizer Teams

Mit einem Schweizer Gesamtsieger ist an der 77. Tour de Suisse nicht zu rechnen. Mit dem Amerikaner Tejay van Garderen von BMC steigt aber zumindest ein Fahrer aus dem «halben» Schweizer Team als Mitfavorit in die neuntägige Rundfahrt, die morgen (Samstag) beginnt.

bg / Quelle: Si / Freitag, 7. Juni 2013 / 10:31 h

BMC ist bei der UCI zwar als amerikanisches Team registriert, der wichtigste Geldgeber ist mit Andy Rihs, dem Besitzer der Firma BMC, aber ein Schweizer. Und dass der amerikanisch-schweizerische Rennstall sein «Heimrennen» gewinnen will, liegt auf der Hand. Mit Tejay van Garderen weiss die Equipe einen Fahrer in ihren Reihen, dem dies gelingen kann. Der 24-Jährige bewies mit dem Gesamtsieg an der Kalifornien-Rundfahrt vor zwei Wochen seine gute Form. Die 77. Ausgabe der Schweizer Rundfahrt beginnt und endet mit je einem Zeitfahren. Dies sollte Van Garderen entgegenkommen, gewann er doch etwa in Kalifornien den Kampf gegen die Uhr: «Wir setzen unser Vertrauen in Tejay, er hat eine gute Form», sagte BMC-Sportdirektor John Lelangue. «Vier jener Fahrer, die ihn in Kalifornien unterstützt haben, begleiten ihn auch in der Schweiz. Die Rundfahrt wird ziemlich schwierig, besonders das abschliessende Einzelzeitfahren.» Die Schlussetappe führt von Bad Ragaz nach Flumserberg mit einem zehn Kilometer langen Anstieg (800 m Höhendifferenz).

Aufregung wegen Kohler

Im BMC-Team unterstützen Van Garderen auf den gut 1286 Kilometern mit Mathias Frank, Michael Schär und Martin Kohler auch drei Schweizer. Frank war vor einem Jahr als Zwölfter und mit einem Rückstand von 2:21 Minuten auf Sieger Rui Costa (Por) der beste Schweizer. Der Vorstoss unter die Top 10 dürfte für Frank auch in diesem Jahr möglich sein. Im Fokus steht für BMC und van Garderen - ebenso wie für den Grossteil der anderen Mannschaften - die Vorbereitung für die Tour de France. Dort will van Garderen nach seinem 5. Rang vom Vorjahr ebenfalls einen Schritt nach vorne tun. Aufregung bei BMC gab es vor dem Rennen um Schweizer Meister Kohler. Der Sarganserländer, der am zweiten Wochenende der Rundfahrt zweimal vor seiner Haustüre durchfährt, wurde von Lelangue kurzfristig aus dem Aufgebot gestrichen und wenige Stunden danach wieder nominiert.

Startetappe an Cancellara?

Nebst den drei BMC-Fahrern starten gemäss provisorischer Startliste - die definitive Liste wird erst heute Freitag bekannt - neun weitere Schweizer. Unter ihnen befindet sich auch Fabian Cancellara.



Tejay van Garderen gehört zu den Favoriten. / Foto: EQ Images

Der Berner Ausnahmekönner, der als letzter Schweizer die Tour de Suisse gewinnen konnte (2009), bestreitet das Rennen durch die Schweiz ohne grosse Ambitionen. Nach seinen Erfolgen in den Frühlings-Klassikern (Sieg bei der Flandern-Rundfahrt und bei Paris-Roubaix) geht es Cancellara derzeit eher gemächlich an. Sein nächstes grosses Ziel sind die Weltmeisterschaften im September in Italien. Zu den Attraktionen der Tour gehört der beste Schweizer Radprofi aber allemal. Und auch wenn er nicht in Topform ist, zu den Favoriten für das 8,1 km lange Zeitfahren am Samstag rund um den Flugplatz in Quinto zählt er dennoch.

Saisonhöhepunkt für IAM

Im Fokus des Interesses steht aus Schweizer Sicht aber vor allem auch das IAM Cycling Team. Die auf diese Saison hin gegründete Mannschaft des Genfer Investors Michel Thétaz hat sich im Frühjahr von ihrer besten Seite gezeigt. Am Heimrennen darf die Zweitdivisions-Mannschaft nur dank einer Wildcard starten. Weil sie eine solche Einladung für die Tour de France nicht erhalten hat, ist die Tour de Suisse der Höhepunkt für IAM. Wie an der Tour de Romandie darf von IAM, bei dem mit Johann Tschopp, Martin Elmiger, Marcel Wyss, Reto Hollenstein und Sébastien Reichenbach fünf Schweizer starten, eine aktive Fahrweise erwartet werden. IAM wird wohl primär auf Etappensiege (Elmiger?) aus sein. Die besten Chancen auf eine Topklassierung im Gesamtklassement besitzen von diesem Quartett Bergspezialist Tschopp oder Wyss (10. an der Tour de Romandie).

Grosse Namen - trotz Out von Wiggins

An der Präsentation der diesjährigen Tour de Suisse letzte Woche hofften die Organisatoren auf eine Teilnahme des letztjährigen Tour-de-France-Siegers Bradley Wiggins. Diese Hoffnung hat sich mittlerweile zerschlagen. Zu den Mitfavoriten auf den Gesamtsieg zählen neben Van Garderen und Vorjahressieger Costa auch der Slowene Simon Spilak (2. der Tour de Romandie) sowie Michele Scarponi (It), Ryder Hesjedal (Ka) oder Bauke Mollema (Ho). Am Start stehen zudem Stars wie Weltmeister Philippe Gilbert (Be), Tom Boonen (Be) oder Peter Sagan (Slk), der im letzten Jahr nicht weniger als vier Etappen (und die Punktewertung) für sich entschieden hat. In allfälligen Sprintankünften dürfte auch der Deutsche John Degenkolb (fünffacher Etappensieger an der letztjährigen Vuelta) ein Wort mitreden.

Winter auf dem Nufenen

Die IMG, welche die Tour de Suisse zum zweitletzten Mal organisiert, musste bereits gestern (Donnerstag) den Nufenenpass vom Streckenplan der 2. Etappe am Sonntag nehmen. Nach den intensiven Niederschlägen der letzten Zeit liegt auf der höchstgelegenen Passstrasse der Schweiz noch immer viel Schnee. Den Organisatoren blieb keine andere Wahl, als das Teilstück um rund 42 km zu kürzen und in Ulrichen VS zu starten - dies weil auch auf der alternativen Route via Furkapass derzeit noch «Wintersperre» herrscht.

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