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Gross' Einfluss beim VfB Stuttgart zeigt Wirkung

Unter Christian Gross macht sich der VfB Stuttgart an, das Feld der Bundesliga von hinten aufzurollen. Die desaströsen Vorstellungen unter Markus Babbel wurden von teils sehenswerten und vor allem ertragreichen Auftritten abgelöst.

tri / Quelle: sda / Montag, 8. Februar 2010 / 14:44 h

Die Bilder, die Gross am Samstag im Nürnberger Stadion nach dem Tor zum 2:1 «lieferte», haben Seltenheitswert. Der Siegtreffer des eingewechselten Roberto Hilbert liess beim Zürcher kaum gesehene Emotionen aufkommen. Er breitete seine Arme aus, ballte die Faust und sprang mit einem breiten Lachen erst in die Luft und dann in Richtung Betreuer. Gross wusste, wie wichtig dieses 2:1 für den weiteren Verlauf der Saison werden könnte, entsprechend explosiv war seine Reaktion. Ein Remis und zuletzt fünf Bundesliga-Siege hat der VfB unter Gross aneinander gereiht. Einen erfolgreicheren Start als Trainer hatte nur Willi Entenmann mit sechs Erfolgen in der Saison 1985/86. Mit 17:3 Punkten in der Rückrunde reichte es damals noch zu Rang 5, dazu schafften die Schwaben unter dem Nachfolger von Otto Baric den Einzug in den Cupfinal.

Sympathien für Gross

Nun ist Gross auf gutem Weg, sich ähnliche Sympathien zu erspielen wie Entenmann Mitte der Achtzigerjahre. Stuttgart ist dank des Schweizer Coachs von einer Euphoriewelle erfasst worden. In der Umfrage einer Tageszeitung glaubten mehr als 70 Prozent, dass das 2:1 gegen Nürnberg «ein klares Zeichen dafür ist, dass es weiter aufwärts geht».

Gross und weitere Klubexponenten wollen die positiv gewordene Haltung der Fans nicht uneingeschränkt teilen. «Wir wachsen an unseren Aufgaben», sagte der Chefcoach.



VfB Stuttgart: Die Massnahmen von Trainer Christian Gross zeigen erste Wirkung. /



Nürnbergs Albert Bunjaku gegen Stuttgarts Zdravko Kuzmanovic und Timo Gebhart. /

«Ich denke, wir sind unserem Ziel, den Klassenerhalt zu schaffen, sehr nahe gekommen. Aber wir dürfen die hinteren Ränge nicht aus den Augen verlieren.» Manager Horst Heldt gab die Marschrichtung vor. «40 Punkte sind unser Ziel, erst dann sehen wir weiter. Es wäre fatal, jetzt ein anderes Ziel auszugeben.»

Grosser Schritt Richtung Ligaerhalt

Mit der aussergewöhnlich starken Zwischenbilanz, bei acht Punkten Rückstand auf die Plätze im Europacup und elf Zählern Vorsprung auf den ersten Nichtabstiegsrang, hat der VfB immerhin die total verpatzte Hinrunde unter Markus Babbel (15 Spiele, 12 Punkte) vergessen und mit jetzt 28 Zählern einen grossen Schritt Richtung Ligaerhalt gemacht.

Das Hoch aus Osteuropa Sinnbild für das Stuttgarter Hoch sind zwei Stürmer, die unter Gross' Vorgänger keine Rolle gespielt haben. Der Rumäne Ciprian Marica, mit acht Millionen Euro der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, und der Russe Pawel Pogrebnjak geniessen das volle Vertrauen des Schweizer Trainers und bezahlen es mit starken Leistungen zurück. Der flinke Marica hat unter Gross drei Mal getroffen, Pogrebnjak wie unter Babbel zwei Mal.

Der Schatten von Mario Gomez

Entscheidend ist aber nicht die Trefferquote, sondern die Tatsache, dass die russisch sprechenden Sturmpartner defensiv aushelfen und keinen Zweikampf (mehr) scheuen. «Sie treten langsam aus Mario Gomez' Schatten», sagte Gross über das osteuropäische Duo. «Das ist nicht einfach.»

Gründe für die Trendwende mit Gross gibt es -- neben dem abgeschafften Rotationsprinzip und neuer Hackordnung -- nach Meinung der Stuttgarter Spieler einige. Von «Starkreden» (Serdar Tasci), «neuen Impulsen und neuen Anreizen» (Jens Lehmann), «ehrlicher und positiver Kritik» (Roberto Hilbert) oder «Einzelgesprächen und sehr guten Motivationen» (Captain Sami Khedira) war die Rede.

Einen weiteren Ansatz fand Manager Heldt. «Die Spieler lassen sich jetzt nach einem Rückschlag nicht mehr so schnell nervös machen. Der Glaube an die eigene Stärke ist bei jedem da.» Was für Lehmann die logische Folge ergibt: «So wie damals bei Babbel geht es jetzt wieder hoch», erinnerte der frühere deutsche Nationalgoalie daran, dass Babbel als Nachfolger des einstigen Meistertrainers Armin Veh den VfB aus dem Mittelfeld auf Rang 3 und in die Champions League geführt hatte.

 


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