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Die US-Flagge weht wieder aufrecht

Die amerikanischen Tennisspieler verrichteten am Labor-Day-Wochenende ihre Arbeit erfolgreich. Gleich vier Männer waren am US Open in New York am «Tag der Arbeit» noch in den Achtelfinals vertreten.

fest / Quelle: Si / Montag, 5. September 2011 / 20:56 h

Die einst so stolze Tennis-Nation war mit so niedrigen Erwartungen wie noch selten ins für sie wichtigste Major-Turnier gestiegen. Nun weht zu Beginn einer Woche, in der Patriotismus in den USA generell und in New York besonders gross geschrieben wird, die Landesflagge in Flushing Meadows genau rechtzeitig endlich wieder einmal stolz im Wind.

 Der nationale Tennisverband USTA stellte zu Beginn der zweiten Woche mit vier Cracks überraschenderweise das grösste Restkontingent bei den Männern, dahinter folgte Spanien mit drei Spielern. Seit dem US Open 2003 (Andre Agassi, Andy Roddick, Todd Martin, Taylor Dent) hatten nie mehr so viele Amerikaner die Runde der letzten 16 erreicht. Während der Achtelfinaleinzug des derzeit besten Amerikaners Mardy Fish und von Aufschlag-Gigant John Isner hatte erwartet werden können, hatte man hinter die beiden anderen Spieler getrost Fragezeichen setzen können, ja müssen.

Roddicks Rückkehr innert vier Wochen

Bei Roddick, der 2003 das Turnier gewonnen hatte und den USA damit den bislang letzten Major-Titel überhaupt bescherte, war das Fragezeichen angebracht, weil er noch vor vier Wochen nicht einmal sicher war, ob er hier antreten würde. In Winston-Salem holte er sich mit der Halbfinal-Qualifikation etwas Matchpraxis und Selbstvertrauen und in New York hat er nun auf dem Weg in seinen achten US-Open-Achtelfinal erst einen Satz abgegeben. Beim 6:1, 6:4, 7:6 gegen Julien Benneteau überzeugte er erstmals nicht nur mit dem Aufschlag (21 Asse). Roddick war nach getaner Arbeit ungewohnt emotional, mehrmals schüttelte er den Kopf und winkte jubelnd ins Publikum. "Es ist wahnsinnig, wie schnell es gehen kann. Vor einem Monat habe ich nicht spielen können und nun stehe ich in der zweiten Woche. Ich habe mich ein paar Mal im Stadion umgeschaut und realisiert, wie speziell dieser Moment ist. Ich war wirklich sehr glücklich."

Roddicks nächste Partie wird um einiges schwieriger als die bisherigen, er misst sich heute mit dem Laufwunder David Ferrer (Sp/5). Der Spanier gewann vor eineinhalb Monaten den letzten Vergleich der beiden im Davis Cup in Austin, Texas, sicher. Roddick erwartet vor dem neunten Duell (Ferrer führt 5:3) einmal mehr eine ausgeglichene Partie: "Wir kennen unsere Stärken und Schwächen sehr gut. Es wird derjenige mit der besseren Tagesform gewinnen."

Youngs späte Bestätigung

Bei Donald Young (ATP 84) waren die Fragezeichen da, weil er bisher die Vorschusslorbeeren als einst weltbester Junior nie hatte bestätigen können, seine Laufbahn bei den Professionals hatte mehr Tiefen als Höhen und viele Experten hatten ihn bereits abgeschrieben. Doch am Sonntag liess der 22-jährige Linkshänder mit der schnellen Vorhand und dem kompletten Spiel nun gegen den unangenehmen Juan Ignacio Chela (Arg/24) die Bestätigung seines Sieges gegen Stanislas Wawrinka folgen. Young fertigte den Argentinier ohne Satzverlust ab. Er wurde vom Publikum frenetisch gefeiert und schwebte auf Wolke sieben: "Es gab Zeiten, da wollte ich kein Racket mehr in die Hand nehmen und auch nicht TV schauen, weil über mich immer negativ geredet wurde. Jetzt bin ich einfach nur glücklich."

Youngs Fortschritte werden in den Achtelfinals einem wahren Test unterzogen: Er trifft auf Andy Murray (6:1, 6:4, 6:2), der Revanchegelüste hegt, weil er Young in Indian Wells unterlegen war, in einer Phase allerdings, in der er kaum einen Ball traf. "Es ist nichts Persönliches gegen Donald, aber diese Niederlage will ich unbedingt korrigieren."

Serena Williams weiter souverän

Die grössten US-Hoffnungen ruhen aber dem Höhenflug der Männer zum Trotz weiter auf dem Frauen-Tableau. Serena Williams liess Ana Ivanovic keine reelle Siegeschance und qualifizierte sich mit dem 6:3, 6:4-Erfolg für die Viertelfinals, in denen sie auf Anastasia Pawljutschenkowa (Sieg gegen Francesca Schiavone) trifft. Die jüngere Williams-Schwester verhinderte den ersten Viertelfinaleinzug der Serbin bei einem Major seit mehr als drei Jahren vor allem dank ihrem Aufschlag (9 Asse, 83 Prozent gewonnener Punkte mit dem ersten Ball). Von der Grundlinie überzeugte sie aber nur phasenweise, was für ihre Konkurrentinnen ein ganz schlechtes Zeichen ist, da sich Williams in den Schlussrunden zu steigern pflegt wie keine zweite Spielerin.

Resultate:
Flushing Meadows, New York. US Open.



Andy Roddick erreichte überraschenderweise die Achtelfinals mit einem Sieg gegen Julien Benneteau. /

Grand-Slam-Turnier (23,7 Mio. Dollar/Hart). Männer-Einzel. 3. Runde: Andy Murray (Gb/4) s. Feliciano Lopez (Sp) 6:1, 6:4, 6:2. Gilles Simon (Fr/12) s. Juan Martin del Potro (Arg/18) 4:6, 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3). Donald Young (USA) s. Juan Ignacio Chela (Arg) 7:5, 6:4, 6:3. John Isner (USA/28) s. Alex Bogomolov jr. (USA) 7:6 (11:9), 6:4, 6:4. - Erster Achtelfinal: Janko Tipsarevic(Ser/20) s. Juan Carlos Ferrero (Sp) 7:5, 6:7 (3:7), 7:5, 6:2. - Viertelfinal-Tableau: Djokovic (1)/Dolgopolow (22) - Tipsarevic (20), Federer (3)/Monaco - Tsonga (11)/Fish (8); Isner (28)/Simon (12) - Young/Murray (4), Ferrer (5)/Roddick (21) - Muller/Nadal (2).

Frauen-Einzel. Achtelfinals: Vera Swonarewa (Russ/2) s. Sabine Lisicki (De/22) 6:2, 6:3. Samantha Stosur (Au/9) s. Maria Kirilenko (Russ/25) 6:2, 6:7 (15:17),6:3. Anastasia Pawljutschenkowa (Russ/17) s. Francesca Schiavone (It/7) 5:7, 6:3, 6:4. Serena Williams (USA/28) s. Ana Ivanovic (Ser/16) 6:3, 6:4. - Viertelfinal-Tableau: Wozniacki (1)/Kusnezowa (15) - Petkovic (10)/Suarez Navarro, S.Williams (28) - Pawljutschenkowa (17); Kerber - Pennetta (26), Stosur (9) - Swonarewa (2).

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