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Federers Galadarbietung zur Geisterstunde

Dem drohenden Regen getrotzt, eine Gala gezeigt und damit eine Kampfansage an die Konkurrenz geschickt: Roger Federer ist nach dem 6:1, 6:2, 6:0 gegen Juan Monaco (Arg/ATP 36) für die entscheidende Turnierphase des US Open bereit.

fest / Quelle: Si / Dienstag, 6. September 2011 / 16:35 h

Kurz vor Mitternacht am Montagabend erhielt Roger Federer noch einen kleinen Schub Extramotivation. Die vielen Zuschauer, die trotz der späten Stunde und des angekündigten Regens ausgeharrt hatten, skandierten seinen Namen, noch ehe er den Platz betrat, und konnten es kaum erwarten, ihn zu sehen. «Das war ein spezieller Moment in meiner Karriere. Die Ovation war etwas ganz Besonderes und ich war sehr froh, dass wir doch noch rausgehen konnten.»

Die lange Wartezeit schien ihm dann überhaupt nichts ausgemacht zu haben. Als er und sein argentinischer Widersacher endlich doch noch das Arthur-Ashe-Stadium betreten durften, legte Federer los wie ein Rennpferd, dem endlich freier Auslauf gewährt wird. Um 23.50 Uhr Lokalzeit wurde der erste Punkt gespielt, 12 Minuten später führte Federer schon 5:0.

Die vielen Tennisfans, die am Ende des Labor-Day-Wochenendes ausgeharrt hatten, um den fünffachen Champion zu sehen, wollte Federer offensichtlich nicht länger als nötig um ihren Schlaf bringen. Federers Dominanz hielt an, er überzeugte endlich wieder einmal hundertprozentig in allen Bereichen des Spiels und stand nach 82 Minuten mit total 42:4 Winnern zu Buch. Auch die wenigen Regentropfen zu Beginn des dritten Satzes vermochten seiner Gala nichts anzuhaben. Besonders effizient war auch die einhändige Rückhand: «Ich habe früh gemerkt, dass ich heute den Return mehr mit Topspin spielen kann und das hat dann gut geklappt», sagte Federer in der Pressekonferenz, ehe seine Nachtschicht um gut zwei Uhr beendet war.

Das perfekte Game...

Eine Bank war auch Federers Aufschlag, wie die Statistik beweist: 14 Asse, 66 Prozent erster Bälle im Feld und kein Breakball für den Mann aus Argentiniens Talentschmiede Tandil. Das perfekte Game gelang Federer zum 2:0 im zweiten Satz. Er brauchte weniger als eine Minute, um sich die vier Punkte mit vier Assen zu sichern.



Roger Federer. (Bild vom 3.9.2011) / Foto: EQ Images

Was ihn auch besonders freute, wie er im Platzinterview mit dem einstigen Top-5-Spieler Brad Gilbert mit einem Lachen sagte: «Wenn man drei Asse hat, dann will man auch das vierte. Eine solche Chance erhält man schliesslich nicht alle Tage.»

... und die Chance zur Revanche

Angenehmes Nebenprodukt des 30. aufeinanderfolgenden Viertelfinal-Einzugs bei einem Major war, dass Federer sich am Dienstag schon auf die nächste Runde vorbereiten konnte und nicht noch viel mentale Energie durch Warten verlor, da ja ab Dienstag eine Schlechtwetterfront für Verschiebungen sorgen könnte.

Diese Energie wird Federer auch brauchen, wartet doch heute (Mittwoch) mit Jo-Wilfried Tsonga (Fr/11) ein ganz gefährlicher Kunde. Der Wahlschweizer dokumentierte seine hervorragende Verfassung mit einer erfolgreichen Rückkehr gegen Mardy Fish, den bestklassierten Amerikaner, den er am späten Nachmittag nach 1:2 Satzrückstand noch niederrang.

Mit Tsonga hat Federer noch zwei Rechnungen offen. In Wimbledon verlor er erstmals überhaupt an einem Grand-Slam-Turnier nach Zweisatz-Führung, zuletzt in Montreal war er im Schlusssatz chancenlos. Federer freut sich auf die Revanche: «Hoffentlich kann ich ihn diesmal schlagen. In Wimbledon haben einige Punkte entschieden, in Montreal war ich dann enttäuscht, wie ich gespielt habe.»

Das Spiel gegen Monaco hat gezeigt, dass alle Gegner mit Federer rechnen müssen, wenn er so auftrumpft. Er selber traut sich den Turniersieg nun auch durchaus zu: «Ich denke, dass ich hier gewinnen kann. Ich habe in diesem Jahr in allen Grand Slams sehr gut gespielt. In Australien war die Partie gegen Djokovic extrem eng, in Paris war ich ganz nahe dran und auch in Wimbledon war ich nicht weit weg. Hier bin ich jetzt auch in guter Form, ich muss es nun bis zum Turnierende durchziehen.».

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