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Sirenenalarm ab 2017 per Handy

Bern - Warnhinweise per SMS, Katastrophenalarm mit einer Push-Nachricht aufs Smartphone: Geht es nach den Plänen des Bundes, soll die Bevölkerung ab dem Jahr 2017 in Notlagen nicht mehr ausschliesslich über Sirenen und Radio- und TV-Durchsagen gewarnt werden. Ein erster Schritt in Richtung mobile Alarmierung ist getan.

bert / Quelle: sda / Dienstag, 3. Februar 2015 / 14:24 h

Während am (morgigen) Mittwoch wie jedes Jahr schweizweit die Sirenen zu Testzwecken heulen, schaut der Bund in Sachen Katastrophenalarmierung bereits in die Zukunft. Er möchte die Bevölkerung im Katastrophenfall mittelfristig mit neuen Systemen alarmieren.

«Die Sirene und das Radio sind das eine, moderne Kommunikationsmittel das andere», sagte Benno Bühlmann, Direktor des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS), am Dienstag vor den Medien in Bern. «Wir müssen die Bevölkerung künftig auf allen modernen Kanälen informieren können.»

Alarm per App

Mit dem nun lancierten System namens Alertswiss macht der Bund einen ersten Schritt. Ab sofort wird die Bevölkerung im Katastrophenfall zusätzlich zu den herkömmlichen Alarmierungen über eine Webseite, eine Smartphone-App, über Twitter (@alertswiss) und YouTube informiert.

Im Zentrum der neu lancierten Homepage steht ein individueller Notfallplan, den jeder Haushalt für sich erstellen kann. Darin sollen beispielsweise Familientreffpunkte festgelegt, wichtige Informationen hinterlegt oder eine Liste mit Notvorräten abgelegt werden.

Auf der Alertswiss-Homepage und über das Twitter-Konto werden zudem regelmässig Blogbeiträge zu aktuellen Themen publiziert. In Notfällen sei es entscheidend, dass die zuständigen Behörden und die betroffene Bevölkerung möglichst rasch und richtig handelten, sagte Bühlmann. Dazu müssten die relevanten Informationen verfügbar sein.

SMS-Piepton als Sirene

Die gezielte Bespielen von Social-Media-Kanälen sei «ein erster Schritt im Rahmen eines umfassenden Programms», sagte Chrisoph Flury, stellvertretender BABS-Direktor. Weitere Schritte einer moderneren Kommunikation mit der Bevölkerung würden folgen.

Im Fokus steht dabei das Handy. Die Bevölkerung soll etwa bei einem grossflächigen Stromausfall, einer Pandemie, einem Chemieunfall oder einem Terroranschlag künftig mittels mobiler Alarmierung informiert werden. Der Bund diskutiere mit den Schweizer Mobilfunkanbietern derzeit über zwei Technologien, sagte Flury.

Das am weitesten verbreitete Alarmierungssystem heisst Cell Broadcast.



Die Bevölkerung wird nicht ausschliesslich per Handy benachrichtigt. (Archivbild) / Foto: steefafa Lizenz: CC BY-NC-SA-3.0

Dabei werden Nachrichten über Sendemasten an die empfangsbereiten Geräte geschickt, die sich in der Reichweite der Funkzelle befinden. Dadurch können Alarme in einer bestimmten Region verbreitet werden.

Die zweite Möglichkeit ist die Alarmierung über SMS. Lokal, beispielsweise im Berner Mattequartier, wurde dieses System bereits eingeführt. Welches System das BABS weiterverfolgt, ist noch nicht klar.

«Die Vor- und Nachteile der beiden Systeme werden derzeit eruiert», sagte Flury. Ein Entscheid soll im ersten Halbjahr 2015 fallen, lanciert werden soll die mobile Alarmierung spätestens 2017. «Das Fernziel ist, die Bevölkerung ab 2018 bei Notfällen auch via Infotafeln auf Bahnhöfen und Autobahnen informieren zu können.»

Sirenenalarm bleibt bestehen

Der Bund will das neue System ergänzend zu den 7800 Sirenen einrichten. «Wir brauchen beide Systeme», sagte Bühlmann. Man könne nicht alle Leute verpflichten, ein Handy zu kaufen.

Doch auch die Sirenen werden derzeit auf den neusten Stand der Technik gebracht. Ziel des Projekts namens Polyalert ist es, alle 5000 in der Schweiz stationär installierten Sirenen bis Ende 2015 per Fernsteuerung auslösen zu können. «Es ist kein Knopfdruck vor Ort mehr notwendig», sagte Bühlmann.

Die Modernisierung der Alarmierung kostet den Bund Millionen von Franken. Bühlmann sagte, dass die Investitionen geringer ausfallen würden als in den Niederlanden, wo 25 Millionen Franken in neue Systeme flossen. «Es wird aber teuer, doch der Nutzen wird grösser sein als die anfallenden Kosten.»

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