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Kolumne


Le Nettoyeur bei der UBS

von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 16. April 2009

. Vor fast zwanzig Jahren kam ein französischer Action-Film in die Kinos, der mit seiner Brutalität auch mit heutigen Standards mithalten könnte. «La femme Nikita», ein Streifen über eine Killerin wider Willen, wartete mit einem ganz speziellen Charakter auf: «Victor nettoyeur», lakonisch gegeben von Jean Reno, war der Putzer, derjenige, der gerufen wurde, um die Schweinerei aufzuräumen und Leichen zu beseitigen, wenn alles schief gegangen war.

Fast gleich emotionslos trat gestern an der UBS-GV ein anderer «Nettoyeur» auf: Oswald Grübel. Und er zeigte mit seiner Ansprache, dass er es ernst meint. Er versuchte gar nicht erst, das zu machen, was seine Vor- und Vor-Vorgänger jeweils probiert hatten: zu behaupten dass alles Schlimme vorbei sei und nun alles wieder gut werde. Er machte genau das Gegenteil, scheinbar nach dem Motto, dass schlechte Nachrichten genau das sind, was die Aktionäre hören wollen.

Und die 2 Milliarden Verlust für das erste Quartal '09 fuhren denn auch entsprechend ein. Doch wie die Analysten schnell erkannten, hat Grübels Wahnsinn Methode: Er nutzt es aus, dass er nicht in irgendeiner Weise mit der alten UBS-Garde verbunden ist. Er muss keine falschen Rücksichten nehmen und kann alle Leichen die noch im Keller liegen, hemmungslos an die Frühlingssonne schleppen und dort zum allgemeinen Entsetzen zur Schau stellen.

Zudem braucht er ja auch eine Begründung für die sprichwörtliche Dezimierung des UBS-Personals, dass er um mehr als einen Zehntel abbauen will, was übrigens durchaus logisch scheint, bringt das den Personalbestand ja zurück auf den Stand von 2003. Dies war die Zeit, als die Kreditblase gerade so richtig aufgepumpt und der Grössenwahn der Ospel-Boys hemmungslos ausgelebt wurde.

Die Folgen für die Mitarbeiter sind natürlich tragisch, aber Grübel muss aufräumen und der UBS wieder eine Basis geben, von der aus eine Zukunft gestaltet und nicht mehr nur mit der Vergangenheit gekämpft werden kann. Dass die UBS Staatshilfe beanspruchen musste, macht die Situation noch problematischer. Doch Staatshilfe heisst nicht, dass möglichst wenig verändert werden soll. Staatshilfe bedeutet das Gegenteil: Das Unternehmen ist in einer Situation, in der es alleine nicht überleben kann und die Richtung muss daher radikal geändert werden.

Dass so eine Katharsis nicht ohne Schmerzen abgeht, sollte eigentlich einleuchten. Doch dazu braucht es einen, der ohne Rücksicht auf die Vergangenheit aufräumen kann... eben einen «Nettoyeur». Grübel ist nicht aus der Pension zurückgekehrt, um geliebt und populär zu werden. Denn seine Aufgabe lässt sich im Moment mit solchen Wünschen unmöglich vereinen.

Denn grosse Probleme erfordern schmerzhafte Veränderungen, unpopuläre Entscheidungen, ja sogar ein gewisses Quantum Grausamkeit. Krisen entstehen aus einem Widerspruch zwischen dem Wunschdenken und -handeln auf der einen Seite und der Realität auf der anderen. Wenn diese beiden Ebenen genug weit auseinander gedriftet sind, zerreisst das Band, welches Wunsch und Wirklichkeit noch vereinte, und die Krise bricht aus.

Die Entsorgung der Wunschwelt muss dann von den «Nettoyeurs» übernommen werden, die Illusionen eiskalt zerschlagen müssen, um zu verhindern, dass aus einer Krise eine Katastrophe wird. Dass diese Leute nicht sonderlich beliebt sind und anecken, ist klar. Doch momentan brauchen wir sie mehr denn je und nicht nur bei der UBS.




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