von Patrik Etschmayer / Montag, 20. April 2009
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Schah und Schach tönen nicht umsonst sehr ähnlich. Das persische Wort für König – Schah - ist der unmittelbare Ursprung unseres Wortes für das «königliche» Brettspiel. Man muss selbst kein grosser Schachspieler sein, um bei der Beobachtung einer Partie zweier guter Spieler zu realisieren, dass in diesem ritualisierten Krieg auf dem Spielbrett pure Aggression nur selten mit Erfolg belohnt wird.
Stattdessen stellt sich beim Schach-Matt vielfach heraus, dass manche Figuren schon viele Züge zuvor in Stellung gebracht und eine komplexe, fast undurchschaubare Falle aufgebaut wurde, in die der Gegner, ohne es zu Ahnen, hinein stürmte.
Wer im Moment die Situation im nahen und mittleren Osten betrachtet, könnte sich an ein Schachspiel erinnert fühlen, dass zwischen dem Iran und den USA gespielt wird. Allerdings scheint der letzte Spieler auf der US-Seite, George W. Bush, gar nie realisiert zu haben, dass es sich um Schach und nicht Poker handelte. Und die konservativen Kommentatoren, die jetzt auf Barack Obama für seine 'schwache' Haltung einprügeln, weil er dem Iran Verhandlungen anbietet, haben es immer noch nicht kapiert.
Doch Obama hat vermutlich recht schnell gesehen, was für eine katastrophale Stellung er von seinem Vorgänger geerbt hat, eine Stellung die mit der bisherigen Taktik in einem Desaster enden würde.
Erinnern Sie sich an «Shock and Awe», die «Taktik» mit welcher der Irak unterworfen werden sollte? Diese Art des Angriffs sollte der ganzen Region zeigen, wie heftig die US-Streitmacht zuschlagen und damit auch den Iran einschüchtern kann. Doch der Schuss ging nach hinten los. Schon nach kurzer Zeit hatte der Iran enormen Einfluss auf das Geschehen im «befreiten» Irak. Er unterstützte die dortigen Schiiten, untergrub andauernd die Position der USA und sorgte zusammen mit anderen Kräften dafür, dass diese jahrelang militärisch und wirtschaftlich am Rande der Belastungsgrenze war, während der Iran selbst nur einen minimalen Aufwand betrieb.
Umso besser muss es dem Iran gefallen haben, dass die andere Front des «Krieges gegen den Terror» in Afghanistan eröffnet worden war, einem weiteren seiner Nachbarstaaten. Auch dort können die Perser mit kleinem Aufwand für grossen Ärger oder Fortschritte sorgen – weshalb sie auch in die nächste Afghanistan-Konferenz eingeladen sind.
Dazu hat der Iran mit der Hamas im Gaza-Streifen und der Hisbollah im Libanon zwei zusätzliche Störenfriede heran gezüchtet, welche scheinbar jederzeit mit ihrem Terror grosse Kräfte von Israel zu binden vermögen.
All dies wird vom iranischen Atomprogramm und dem ziemlich irre scheinenden Präsidenten Ahmadinedschad gekrönt. Doch egal wie bedrohlich und fern von jeder Realität dieser Mann sein mag, er hat in den letzten Jahren eine strategische Meisterleistung – nicht zuletzt mit der Hilfe der aggressiven aber wenig umsichtigen Politik der USA – vollbracht. Wo die USA auch hinkommen, der Iran scheint schon dort zu sein. Und nicht nur im mittleren Osten. Sogar in Südamerika hat sich Ahmadinedschad Verbündete gesucht und schon wiederholt den Möchtegern-Castro vom Orinoco, Hugo Chavez, getroffen. So absurd es im ersten Moment auch scheint, ein starker Einfluss der Iraner in Südamerika wäre in der Zeit der Globalisierung gar nicht so verrückt.
Wenn Obama nun mit einer Charme-Offensive wieder Boden in Südamerika gut machen will, dann, zwar nicht vor allem, aber sicher auch, um die Iraner dort wieder raus zu drängen.
Die Position des Iran ist im Moment beunruhigend stark und die Angst Israels ist absolut begreiflich – doch reine Kraftmeierei und Aggression kann die Iraner momentan kaum schwächen. Jeder Versuch in dieser Richtung war bisher erfolglos, ja hat das Gegenteil bewirkt.
Wenn die neue US-Regierung ihr Glück nun mit Verhandlungen versucht, ist das kein Zeichen der Schwäche. Es ist vor allem ein Zeichen dafür, dass man das Schachbrett der Macht mal wieder genau angeschaut und festgestellt hat, wie schlecht die Figuren stehen und man nun verzweifelt versuchen muss, diese mit geschickten Manövern wieder besser zu positionieren, um im Mittleren Osten nicht Matt gestellt zu werden.