von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 2. Juli 2009
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Es gibt Momente, an denen man froh sein sollte, wenn seine Befürchtungen doch nicht einzutreffen scheinen. So zum Beispiel im Irak. Nach Jahren des Pfuschens und Murksens ohne Konzept, hat der Strategiewechsel, der im Jahr 2007 unter General David Petraeus durchgeführt wurde, tatsächlich zu Fortschritten geführt, auf die man nicht mehr zu hoffen gewagt hatte.
Wenn alles weiterhin gut geht, könnte der Irak tatsächlich noch zu einem späten Erfolg für George W. Bush werden... auch wenn es ein Erfolg ist, für den viele Leute unnötigerweise mit ihrem Leben zahlen mussten, da der Feldzug und die Besatzung während 4 Jahren unglaublich dilettantisch geführt worden sind.
Trotzdem haben viele Kriegsgegner immer noch aus ideologischen Gründen grösste Probleme damit, einzugestehen, dass die Lage besser geworden ist. Der Wunsch vieler war und ist, die USA scheitern zu sehen. Auch wenn dies bedeuten würde, dass tausende unschuldiger Menschen sterben würden. Man wäre also Willens, auf dem Altar der ideologischen Selbstbefriedigung, die Bevölkerung ganzer Städte zu Opfern.
Die ideologischen Scheuklappen betreffen aber nicht nur den Irak. Direkt angrenzend an das Zweistromland liegt ja der Iran, in dem es auch ganz schön brodelt, seit an den Präsidentenwahlen mit allergrösster Wahrscheinlichkeit massiv betrogen wurde. Dafür gibt es viele Hinweise, welche zum Teil sogar vom teheraner Regime eingestanden werden: Drei Millionen Stimmen, die nicht von wirklichen Wählern sein können, Unregelmässigkeiten an diversen Wahllokalen und Berichte über sich widersprechende Ergebnisse in der Nacht nach der Wahl. Danach die brutale Repression gegen das Volk, das wissen wollte, wo seine Stimmen hingekommen sind, der Hausarrest gegen prominente Gegner von Ahmadinedschad, die Informationssperre zum Ausland hin und die hysterischen Anschuldigungen des Regimes gegen den Westen, den Aufstand organisiert zu haben. Alles Zeichen dafür, dass ein diktatorisch herrschender Geistlicher, der Religionsführer Chamenei, mit aller Kraft versucht, sich an der Macht zu halten.
Die Handy-Filme, die nach dem Presseverbot noch in den Westen drangen, waren schockierend: Hemmungslos prügelnde Polizei, blutende Demonstranten und sogar sterbende, scheinbar von Scharfschützen nieder gestreckte Opfer schnürten einem die Kehle zu. Und man fragte sich, wann die erste Solidaritätsdemonstration stattfinden würde, in der Fussgängerzone.
Doch nichts passierte. Nein, im Gegenteil konnte man sogar von weit links und weit rechts unfassbare Kommentare hören, in denen Ahmadinedschad zum Wahlsieg gratuliert und das vorgehen gegen die Demonstranten gelobt wurde. Wobei diese Idioten wenigstens zu ihrer kranken Meinung standen, während jene, die sonst bei jeder Gelegenheit irgendwelche Fahnen auf den Balkon stellen und Solidarität für die Unterdrückten einfordern, einfach untätig blieben und so eine stillschweigende Billigung für die Grausamkeit der Mullas ausdrückten.
Ein Faktor dürfte der in vielen Köpfen fest verankerte Anti-Amerikanismus und Israel-Hass sein. Und da das iranische Regime ja gegen Israel und auch gegen die (seit Obama nicht mehr ganz so) böse USA steht, kann man sich ja nicht gegen dieses wenden. Oder?
Doch das ist eine kranke Art der Solidarität, grundsätzlich falsch und verwerflich. Nehmen wir mal an, man kämpfe gegen die angebliche Umweltverschmutzung durch eine Chemiefabrik. Und dann stellt sich heraus, dass einer der prominentesten und lautstärksten Mitstreiter ein Kinderschänder ist. Würde man weiterhin mit so einem Verbrecher Solidarität zeigen oder auch nur gleichgültig sein und nicht gegen seine Taten Stellung beziehen? Kaum. Doch das iranische Regime ist keinen Deut besser: Es prügelt, mordet und unterdrückt ohne Hemmung.
Viele Exil-Iraner raten dem Westen von Sanktionen und Einmischungen ab und vermutlich sollte man auf sie hören. Aber wie wäre es, eine grüne Armbinde oder eine grüne Schleife als Zeichen dafür zu tragen, dass einem der Kampf eines Volkes für seine Freiheit nahe geht? Und man könnte sicher sein, dass die Iraner über ihre vielen im Ausland lebenden Volksgenossen davon erfahren und sich in ihrem Kampf um Demokratie und Gerechtigkeit gestärkt fühlen würden.
Ist das nun zu viel verlangt? Es sieht fast danach aus...