von Patrik Etschmayer / Montag, 6. Juli 2009
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Wenn man die News-Seiten und Nachrichten verfolgt, fällt auf, dass Dummheit, ob kollektiv ausgedrückt oder individuell ausgelebt, scheinbar das neue In-Accessoire ist, mit dem man sich in diesem Jahr ziert und zwar quer durch alle Schichten.
Am harmlosesten in diesem Zusammenhang dürfte vermutlich die Noch-Miss-Schweiz Whitney Toyloy sein, die verfängliche SMS-Nachrichten im Handy gespeichert zum eifersüchtigen Freund mitnimmt. Aber eben, das ist schon fast charmant blöde und man möchte am liebsten glauben, dass es hier um eine Image-Kampagne geht, um der doch allzu süssen Whitney ein wenig Verruchtheit zu verleihen...
Von ganz anderem Kaliber hingegen ist die Blödheit eines Bernie Ecclestone, Urgestein aus dem Autorennsport, einstiger Rennstallbesitzer, heute Formel 1 Medienmogul und Rechteverwalter mit Milliardenvermögen. Er demonstrierte in einem Interview mit der «Times» am 4. Juli eindrücklich, dass Geschäftssinn und Intelligenz in anderen Bereichen sich keineswegs gegenseitig bedingen.
Er lobte in dem Interview Adolf Hitler als Tatmenschen, der es einfach nicht ganz richtig gemacht habe und zu schlechten Dingen verführt worden sei. Zudem seien Demokratien nicht geeignet, etwas Vernünftiges zu erreichen. Mit dieser Einstellung wundert es einen, dass Ecclestone nicht schon längst bei der BNP, der Britischen Nazi-Partei, Mitglied ist.
Ebenfalls putzig an seinen stockdummen Ausführungen ist, dass er offenbar vergisst (oder nicht weiss?), dass es vor allem die Demokratie USA war, welche Hitler-Deutschland mit seiner Wirtschafts- und Militärkraft in die Knie gezwungen hat. Sollte Ecclestone nun zum Rücktritt gezwungen werden, kann er sich ja als Gastredner auf NPD-Veranstaltungen verdingen und sich mit Bier bezahlen lassen.
Doch verblödete Geschichstverklärung kommt nicht nur von rechts und von Einzelpersonen. Nein, auch 57% der Einwohner der ehemaligen DDR glauben entweder, dass die DDR mehr gute als schlechte Seiten gehabt oder gar, dass man damals in der DDR besser als heute gelebt habe. Dabei kommt vermutlich vor allem zum Ausdruck, dass die Leute, die solchen Kokolores glauben, sehr aktives Vergessen betreiben. So zum Beispiel verdrängen sie, dass sie damals nicht die Möglichkeit gehabt hätten, ihre Meinung zu sagen. Oder, dass die DDR wirtschaftlich nur nicht zusammenbrach, weil wenige Jahre vor dem Mauerfall die BRD Milliardenkredite an Honecker gegeben hat. Sie vergessen die Todesstrafe, die Selbstschussanlagen an der Grenze, die Einheitsmedien und die krasse Benachteiligung all jener, die nicht bei der Partei mitmachen wollten. Es geht sogar soweit, dass viele Ostdeutsche behaupten, die DDR sei keine Diktatur gewesen. Ja, fürwahr, Blödheit sucht sich allenthalben auszudrücken und es gelingt ihr auch!
Dann gibt es natürlich auch noch Menschen, deren Dummheit sich in Gewalt äussert – wie bei den 3 Schweizer Schülern, die in München einen Amoklauf mit Fäusten veranstalteten, einen Geschäftsmann fast tot prügelten und selbst jetzt noch, da sie mit bis zu 10 Jahren Jugendhaft konfrontiert sind, keine Reue zeigen. Dummheit drückt sich nicht nur verbal, sondern auch in mangelnder Empathie und Selbstreflexion aus. Gewaltexzesse setzen ein Fehlen dieser beiden Dinge zwingend voraus.
Es wäre vielleicht an der Zeit, Dummheit in all ihren Aggregatzuständen zu ächten, indem, mit detaillierter Begründung, jeden Montag ein Trottel der Woche ausgerufen und lächerlich gemacht wird. Doch da würden sich sehr schnell viele Politiker aller Couleur zusammen raufen und eine Initiative gegen diese Art der «Diskriminierung» lancieren: Die Gefahr wäre einfach zu gross, dass sie sich selbst irgendwann auf der Trottel-Liste finden würden. Und deshalb muss man sich wohl damit abfinden, dass Blödheit, in all ihren stupiden Erscheinungsformen, weiterhin in Mode bleiben wird...