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Kolumne


Die wunderbare blaue Kugel

von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 16. Juli 2009

. Vor vierzig Jahren wurde eines der grössten Abenteuer der Weltgeschichte mit gigantischem Getöse in Angriff genommen. Als am 16. Juli 1969 auf Cape Canaveral fast 3000 Tonnen Aluminium, Titan, Kerosin, Sauerstoff und Wasserstoff mit einem Startschub von über 33000 kN drei Menschen in Richtung Mond schleuderten, wurde ein neues Zeitalter eingeläutet, das allerdings in den Jahrzehnten darauf bei weitem nicht die damaligen Erwartungen erfüllen würde.

Das Weltraumzeitalter trat – bei ehrlicher Betrachtung lässt sich das nicht bestreiten – nicht ein. Nach etwas mehr als drei Jahren, im Dezember 1972, fand die letzte bisherige Mondmission statt. Seit bald 37 Jahren hat kein Mensch mehr einen anderen Himmelskörper betreten.

Derweil sucht die Internationale Space Station ISS immer noch nach ihrer wahren Berechtigung, vor allem weil scheinbar die Kosten/Nutzenrechnung nicht so richtig aufgeht und weit weniger Experimente und Module als ursprünglich geplant in Betrieb sind und noch gebaut werden.

Dies nicht zuletzt auch wegen des Space-Shuttle Programms, dass schon seit Jahren in den letzten Zügen liegt und im Herbst nächsten Jahres endgültig zu Grabe getragen werden soll, bevor 2014 eine neue Raketengeneration das Weltall für die NASA wieder zugänglich machen wird.

Was also ging schief? Die Gründe sind vielfältig aber ein wichtiger ist wohl die Gravitation der Erde. Das Naturgesetz, dem jedes Glas, das man aus versehen von einem Tisch runter schubst und das in der Folge auf dem Boden zersplittert, folgt, ist eines der grössten Hindernisse für Raumprogramme, welche über den Status eines elitären Hobbys von Staaten zur Image-Politur hinaus gehen sollen. Denn die Erdanziehungskraft bedingt, dass man – um sich aus ihrem Griff zu befreien – die Fluchtgeschwindigkeit von 11,2 km/Sekunde erreichen muss, um nur schon auf den Weg zum Mond zu gelangen. Das sind etwas mehr als 40000 km/Std.

Um die drei Astronauten auf dieses Tempo zu bringen, musste alleine die erste Stufe der Saturn V Rakete 2300 Tonnen Kerosin und Sauerstoff als Treibstoff verbrennen, die zweite Stufe 440 Tonnen Wasserstoff und Sauerstoff und die dritte Stufe immerhin noch etwas mehr 100 Tonnen des selben Gemisches. Die Rakete selbst wurde dabei zu teurem Abfall, der entweder in der Erdatmosphäre verglühte oder auf eine Sonnenumlaufbahn geschickt wurde. Umgerechnet auf heutiges Geld kostete jede Mondmission über 3 Milliarden US$... ein Ticketpreis von einer Milliarde für jeden Astronauten.

Das Mondprogramm war ein Kind des kalten Krieges – die UdssR und die USA kämpften um die Vorherrschaft im Weltraum und nach den Siegen der Russen von Sputnik an, ging es den USA vor allem darum, die Überlegenheit des kapitalistischen Systems gegenüber den Kommunisten zu beweisen. Dafür wurde ein gigantisches staatliches Programm gestartet – ein Programm, das in etwa so kapitalistisch war, wie der Mauerbau in der DDR...

Die Luft war raus, als die Sache mit dem Mond erledigt war und mit den verschiedenen Wirtschaftskrisen in den 70er Jahren auch die Steuergelder knapper wurden. Das «Space-Fever» schwand - übrig blieb ein überteuertes Space-Shuttle und eine gewisse Nostalgie.

Erst in den letzten paar Jahren kam wieder so etwas wie eine Sehnsucht nach dem Weltraum auf. Die Mars-Sonden mit ihren Rovern haben uns den roten Nachbarplaneten näher gebracht. Doch eine bemannte Mars-Mission ist noch weit, wenn sie überhaupt je kommen wird.

Nicht zuletzt, weil diese Mission alles in den Schatten stellen würde, was man bisher gemacht hat – nicht nur von der technischen, sondern auch von der menschlichen Seite her. Es ist sehr gut möglich, dass eine Marsmission für die ersten zu einer Reise ohne Wiederkehr würde. Jahrelange Flugzeiten und ein ungewisser Ausgang, womöglich unter der ständigen Beobachtung der Weltöffentlichkeit, könnten daraus ein Drama werden lassen und die Menschheit daran erinnern, wie klein wir im Vergleich nur schon mit der nächsten planetaren Umgebung sind und dass wir als Rasse unseren Problemen nicht entfliehen werden können, die wir auf unserem Heim-Planeten angerichtet haben und immer noch anrichten.

Der Vergleich der Raumfahrt mit dem Aufbruch der Europäer nach Amerika hinkt nicht nur – ihm fehlen die Beine. Nach all dem, was wir heute wissen, wird es niemals zu einer Massen-Diaspora von unserem Planeten weg kommen. Die vieltausendfach geprüften und angewendeten Gesetze der Physik stehen diesem ebenso im Weg, wie die gigantischen, mit unserem dafür unvorbereitetem Gehirn nicht wirklich erfassbaren Dimensionen des Weltalls.

Was zukünftige Weltraummissionen hingegen könnten, wäre, der Menscheit endlich wieder ins Bewusstsein zu bringen, wie kostbar es ist, auf einem Planeten zu leben, der Wasser zum Trinken, Luft zum Atmen und Nahrung zum Essen bietet. Dem Planeten, der uns erschaffen hat, dem Planeten, der, vor vierzig Jahren zum ersten mal so vom Mond aus gesehen, als wunderbare blaue Kugel in der unendlich scheinenden Schwärze des Weltalls schwebt und den wir unbedingt erhalten und schützen müssen... unsere Erde.


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