von Patrik Etschmayer / Montag, 20. Juli 2009
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Die Pseudo-Hochkonjunktur der vergangenen Jahre hatte nicht nur ihre schlechten Seiten, durch die nicht wirklich existente Werte geschaffen und eine weltweite Rezession vorbereitet wurde. Denn diese Jahre boten nicht nur den betrügerisch bis rücksichtslos handelnden Spekulanten in vielen Banken ideale Voraussetzungen für ihre Raubzüge. Nein, auch wir Normalverbraucher profitierten zweifellos davon - so konnte man zum Beispiel in den Urlaub verreisen, ohne damit rechnen zu müssen, dass einem der Job nach der Rückkehr atomisiert sein würde.
Die Sommerferien 2009 haben deshalb für viele - sofern man sich diese überhaupt noch leisten kann oder will - einen leicht verzweifelten Beigeschmack. Nicht zuletzt deshalb verzichten manche in diesem Jahr auf eine Fernreise und frequentieren stattdessen heimische Gefilde. Berliner zieht es plötzlich nach Bayern, Wiener ins Tirol und die Zürcher machen nun das Tessin noch unsicherer als es sonst schon ist. Nur die Holländer und Dänen mit ihren Wohnwagen bleiben eine feste, die Strassen füllende Grösse, die einen vor allen auf Alpenpässen zur Weissglut bringen kann. Doch da man - wie gesagt, ja eh nur so weit fährt, wie man sein grösstes Gepäckstück werfen kann, ist auch das Leiden, das durch diese Zeitgenossen verursacht wird, von einer geringeren Schwere als in Jahren ohne einstürzende Konzerne.
So geniesst man statt kübelweise Sangria an der Strandbar in diesem Jahr drei Happy-Hour-Kafi-Lutz im Wintergarten des sorgfältig nach optimaler Preis-Leistung ausgewählten Familienhotels, wenn gerade wieder eine Kaltfront über Mitteleuropa zieht, die halbe Alpensüdseite weg schwemmt und die Pässe voller Wohnwagen im Schnee versinken lässt.
In diesen Stunden des kontemplativen Wolken-Betrachtens (sofern der Nebel nicht die Sicht auf diese unmöglich macht), fällt einem vielleicht auf einmal wieder ein, dass alles doch gar nicht so schlimm ist. OK, die Pensionskasse ist dank der grandiosen Fehlspekulationen etwa so unterdeckt wie das Budget von Kalifornien und sogar der Chef hat dieses Jahr auf die neue S-Klasse verzichtet (das gab es zuvor noch nie!), aber dafür besinnt man sich wieder auf alte Werte, darauf, worauf es wirklich ankommt.
Zum Beispiel, dass man keine Angst haben muss... ja wovor eigentlich? OK. Dass einem der Himmel auf den Kopf fällt. Bedenkt man, dass dies für unsere keltischen Vorfahren noch durchaus ein sehr bedrohliches Problem war... oder zumindest als solches wahrgenommen wurde, wenn man den Asterix-Comics glauben schenkt... dann hat man wirklich einen Grund zur Freude, in der heutigen Zeit zu leben. Oder man kann sich darüber freuen, dass die Schweinegrippe bei uns erst so richtig nach der Ferienzeit zuschlagen wird und in der Schweiz bis jetzt erst ein paar Schullager ins Bett befördert hat. Oder darüber, dass in der kommenden Woche scheinbar so etwas Ähnliches wie Sommer in unsere Gefilde zurückkehren soll. Oder darüber, dass Gaddafis Forderung, die Schweiz durch die UNO auflösen zu lassen, doch nicht so schnell Realität werden dürfte. Oder, dass man seinen Porsche nun endlich auch zur VW-Garage in den Service bringen lassen kann. Und vergessen wir auch nicht die wunderbare Tatsache, dass Päpste auch mit dem Arm in Gips ihre Gläubigen segnen können.
Wer also einfach genug lange die graue Nebelbank vor dem Wintergarten des erwählten Hotels betrachtet (und ausreichend Kafi Lutz hatte), die Sirenen der Rettungsfahrzeuge mental auszublenden vermag und ein wenig guten Willen zeigt, der kann durchaus so viele positive Gedanken finden, dass die Sommerferien 2009 zu einer entspannten, freudigen Angelegenheit werden können. Und so wird es nach der Rückkehr nach Hause denn auch gelingen, mit frischer Energie den Aufschwung anzuschieben!
Es kommt einfach nur auf die richtige Einstellung an!