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Kolumne


Ohne Nebenwirkungen

von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 23. Juli 2009

. Toll. Jetzt tobt die sogenannte Schweinegrippe auch noch im Hochsommer durch die Medien. Wo man auch hin schaut, fallen die Leute trotz hoher Temperaturen und sommerlichen Wetters mit dem neuen Liebling aller Pharmakaproduzenten ins Bett. Die Ansteckungsrate sei dabei enorm und nun sind sogar die Strände von Mallorca und Ibiza bedroht, von dem Virus überrollt zu werden. Bleibt zu hoffen, dass die Erkrankten beim Ballermann nicht zu besoffen sind, überhaupt zu bemerken, dass sie die Grippe haben.

Doch machen wir uns nichts vor – die meisten Ansteckungen könnten ganz ohne Impfserum oder Tamiflu verhindert werden, und zwar mit den einfachsten, simpelsten Hygienemassnahmen. Massnahmen, die immer noch oder teilweise wieder, einfach ignoriert werden.

Die allermeisten Krankheitserreger werden über Hautkontakt übertragen. Dass geht ungefähr so. Ein Kranker hustet und hält die Hand (statt eines Papiertaschentuches, dass er sofort wegwirft), vor, wäscht sich danach nicht die Hände und schüttelt jemand anderem die Hand. Dieser kratzt sich mit der nun verseuchten Hand die Nase und schon ist wieder jemand mit einem Virus beglückt worden und kann sogleich daran gehen, weitere Opfer mit dem neuen Krankheitserreger bekannt zu machen.

Nur wenige Erreger (zum Beispiel der berüchtigte Noro-Virus, der immer wieder zu Magen-Darm-Grippen führt) überstehen ein normales Händewaschen mit Seife. Ein Ritual, dass tatsächlich leben retten, oder einen und andere zumindest vor einer sehr unangenehmen Krankheit bewahren kann.

Nun kann man kaum wissen, wer seine Hände wäscht und wer auf seinen Greifwerkzeugen einen Mikroben- und Virenzoo betreibt. Aber ein kurzer Aufenthalt bei den Waschgelegenheiten von öffentlichen Toiletten ist erschreckend genug. Die Beobachtungen, die teils mit Webcams gemacht wurden (aber auch die persönlichen des Autors), deuten darauf hin, dass grad mal die Hälfte der Benutzer einer solchen Toilette sich danach ihre Hände von Darmbakterien und Viren befreien. Eine abstossende Tatsache, welche die Frage aufwirft: sind diese Leute faul, blöd oder beides zusammen?

Seit dem vorletzten Jahrhundert sind Mikroorganismen bekannt, seit Mitte des letzten auch die Viren. Ihre Rolle als Krankheitserreger ist genauestens erforscht. Niemand erkältet sich – man steckt sich an! Und man steckt sich vor allem an, weil den Mikroorganismen wider besseres Wissen jede Gelegenheit gegeben wird, sich zu verbreiten. Wer krank ist und sich unter Menschen begibt oder wer seine Angestellten trotz Krankheit dazu anhält, arbeiten zu kommen, wer seine Hände nicht wäscht und einfach so tut, als ob diese Krankheitserreger nicht da wären, der verhält sich schlicht und einfach rücksichtslos.

Dazu kommen noch blöde gesellschaftliche Konventionen: So traut sich hier fast niemand, der Krank ist und unbedingt raus muss, einen Mund- und Nasenschutz anzuziehen. „Das sieht blöd aus,“ heisst es allenthalben.

Es sieht allemal besser aus als ein rotzender, hustender Krankheitsverbreiter, der alle in Niesweite mit seinen Viren einnebelt. Es wäre an der Zeit, dass Politiker und Prominente endlich mal Werbung für eine wirklich wirksame Krankheitsprävention machen, die garantiert keine Nebenwirkungen hat – mit Ausnahme jener, das weniger Leute erkranken, weniger Leiden und weniger sterben.

Und nein, der Autor hat weder Aktien der Seifen- noch der Zellstoffindustrie. Er hat einfach keine Lust, angesteckt zu werden.


 Kommentare lesen (4 Beiträge)
· Da gibt es wohl nichts...thomySo, 26.07.2009 20:10
· Also, das heisst es jetztMagnusDo, 23.07.2009 15:29
· AngstmachereisonneDo, 23.07.2009 14:46
· Virenschutz durch...WeissensteinDo, 23.07.2009 11:57
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