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Kolumne


Stille Weltenretter

von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 13. August 2009

. Dem, der um sein Leben strampelt, um nicht ganz unterzugehen, verzeiht man auch, wenn er beim um sich schlagen etwas viel Wasser auf spritzt. So zum Beispiel General Motors. Der Chef dieses in diesem Jahr schon einmal gestorbene Autokonzerns, präsentierte zum wiederholten mal seinen neuen Hoffnungsträger, das seriellen Hybridauto Chevrolet «Volt», das Ende 2010 in den USA auf den Markt kommen soll.

Doch natürlich handelte es sich nicht einfach um einen Aufguss alter Slogans. Diesmal wurde die sensationelle Behauptung gemacht, dass der «Volt» – der von Opel dereinst als «Ampera» verkauft werden soll – 230 Meilen pro Gallone Benzin zurück legen könne, was dem unglaublichen Wert von einem Liter pro 100 km entspräche.

Dies gilt aber nur für die ersten 65 km, die rein elektrisch zurück gelegt werden können, bevor ein Benzinmotor die Batterien unterwegs nachladen muss, um das weiterfahren zu ermöglichen. Dies reicht aus, um das tägliche Pendeln von 75% der Amerikaner und noch wesentlich mehr Europäern Voll-Elektrisch zu bewältigen.

Ist also alles gut beim «Volt/Ampera»? Ist dies wirklich die absolut sparsame Zukunft des Autoverkehrs? Es sieht fast so aus. Aber einige Fragezeichen bleiben. Das erste ist jenes des Verbrauchs. Der 1-Liter-Wert ist zum Beispiel extrem optimistisch, sobald man über die Batterieladung hinaus kommt und in gebirgigem Gelände – in der Schweiz nicht gerade selten – unterwegs ist. Es zeigte sich bei Tests bisheriger Elektro-Autos nämlich, dass Batterien in Steigungen sehr stark belastet werden. Labor-Werte sind das eine... die wirkliche Welt das andere.

Kommt dazu, dass die Batterien des «Volt/Ampera» unter 0° Celsius nicht funktionieren und deshalb beheizt werden müssen, wenn das Auto bei winterlichen Verhältnissen benutzt wird. Dies passiert entweder durch die Steckdose oder, indem der Benzinmotor am Anfang Antriebs- und Aufwärmfunktionen übernimmt.

Auch die Frage nach den Strom-hungrigen Nebenaggregaten muss gestellt werden: Klima-Anlagen und Radios, Licht und Navi-Computer fressen alle Strom – bei einer Lade-Kapazität von 8,8 kWh der Akkus an Bord, kann so die Reichweite an einem heissen Tag schnell einmal dahin schmelzen: Vor allem, wenn man im Berufsverkehrsstau steht und nichts geht.

Doch es hört auch da nicht auf: Das Konzept des «Volt» geht davon aus, dass nachts die Batterie in der Garage nachgeladen wird. Nur... was macht man, wenn man keine Garage hat, wo man sein Auto einstecken kann? Aber der GM-Chef, Fritz Henderson kann diese Frage ja sicher beantworten... oder?

«Wenn sie auf der Strasse parken, weiss ich ehrlich gesagt nicht, was man machen kann. Nein, ich weiss nicht, wie man diese Situation angehen könnte.» Demnach vorerst kein «Volt» für Laternenparker, obwohl es auch hier Möglichkeiten gäbe, wenn die Infrastruktur bereit gestellt würde. Doch das kann noch dauern.

Auch welkt das Grün des «Chevy Volt», wenn er in einem Land betrieben wird – wie z.B. Australien – in dem ein Grossteil des Stroms aus Kohle gewonnen wird. Die CO2-Belastung durch ein Elektro-Auto ist dort zum Teil höher, als wenn man ein normales, sparsames Benzin-Modell benutzt.

Ein weiteres – bestimmt nicht das letzte – Problem der Elektro-Autos – ist der Lärm... bzw. dessen Abwesenheit. Es tönt in unserer lauten Welt ja eher wie eine Wohltat, dass diese Wagen fast geräuschlos unterwegs sein können. Aber wir verlassen uns im Alltag darauf, dass wir Autos hören, wenn wir eine Strasse überqueren. Radfahrer kennen das Phänomen bestens, dass Fussgänger mit dem Rücken zum nicht gehörten Verkehr auf die Fahrbahn treten um dann unglaublich zu erschrecken, wenn der Radfahrer es gerade noch schafft, knapp auszuweichen.

Dem gleichen Szenario mit Elektro-Autos dürfte ein wesentlich höheres Gefahrenpotential innewohnen – und ein Marktpotential: Es kann gut sein, dass E-Autos aus Sicherheitsgründen dereinst ein Fahrgeräusch einer gewissen Lautstärke künstlich erzeugen müssen. Wer den boomenden Markt der Handy-Klingeltöne betrachtet, kommt fast zwingend darauf, dass hinter dem Horizont ein riesiger Markt für Autotöne lauert, die uns dereinst noch viel stärker als blöde Handy-Sounds nerven werden.

Man sieht also, der «Chevy Volt» und die anderen Elektro-Autos, die in den Startlöchern stehen (wie der Nissan Leaf, der einen Verbrauchswert von 0,65l/100 km beansprucht (wobei man sich fragen kann, wie man dies bei einem reinen Elektro-Auto überhaupt berechnen will), werden nicht still dahin rollende Weltenretter sein. Sie werden manche Probleme eliminieren, andere mildern und wieder ganz andere erst schaffen, da zum Beispiel das für die Batterien notwendige Lithium ein recht seltenes Element ist... von der Ölknappheit zur Lithium-Krise? Die Zukunft muss es weisen.


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