von Patrik Etschmayer / Montag, 31. August 2009
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Die Zeichen sind ambivalent aber, mit der richtigen Einstellung, vor allem Hoffnung erweckend. Die Stimmung in der Industrie und bei Finanzinstituten ist positiv, Aktien sind seit Monaten am Steigen und bereits werden in Banken wieder Boni versprochen und gar ausgezahlt. Ja, jedes tiefe Loch kann scheinbar als Startrampe für den nächsten Boom betrachtet werden. Wie das Loch erst gegraben wurde, sei ja mittlerweile bekannt... aber es scheint alles noch viel schlimmer gewesen zu sein.
Viele Länder sitzen auf gigantischen Mengen fauler Kreditverschreibungen, die sie von den Banken übernommen haben, während in den USA immer noch massenhaft Menschen wegen nicht geleisteter Zinszahlungen auf ihre Hypotheken enteignet und auf die Strasse gesetzt werden. Eine unglaubliche Ungerechtigkeit, wenn man die Vergabepraxis der Hypotheken betrachtet und eine unglaubliche Dummheit, wenn man bedenkt, dass es keine Käufer für die enteigneten Immobilien gibt und diese Häuser so einfach verfallen werden.
Während konservative Kreise (wie die Weltwoche in der Schweiz), bereits wieder «Gesetze, welche die Banken dazu zwangen, schlechte Kredite zu geben», für die Krise verantwortlich machen (diese Gesetze gibt es in der kolportierten Form nicht, die Kredite, die unter die angeführten Vorschriften fielen, sind tatsächlich weniger als der Durchschnitt von Verlusten betroffen), stellt sich bei Enteignungsverhandlungen heraus, dass schlechte «sub-prime»-Hypotheken erst gegeben und dann zwischen Grossbanken hin und her geschoben wurden, um die Gewinne zu maximieren.
Dieses Spekulieren, Kaufen und Verkaufen führte dazu, dass zum Teil gar nicht mehr bekannt ist, wer diese Hypotheken eigentlich besitzt. Wenn es dann zur Enteignung kommt, werden die Ansprüche der Grossbanken aber meist einfach durch gewunken. Zu unrecht.
Arthur M. Schack, ein kleiner New Yorker Bezirksrichter, macht momentan in den USA auf sich aufmerksam, weil er die eingereichten Enteignungspapiere tatsächlich durchliest. Ein Vorgang, der scheinbar unerhört ist, im amerikanischen Rechtssystem.
Das Resultat: von 102 Enteignungsanträgen der letzten 2 Jahre hat er fast die Hälfte, 46 Stück, abgelehnt. Die Gründe dafür waren vielfältig aber vielfach gingen bei dem hin- und herschieben der Kredite scheinbar wichtige Papiere verloren oder wurden gar nie ausgestellt.
Doch dies bedeutete gleichzeitig, dass Vertreter von Finanz-Giganten wie der Deutschen Bank, Goldman Sachs und HSBC unverrichteter Dinge abziehen mussten, weil sie gar nicht belegen konnten, dass die Hypotheken, die sie da einklagen wollten, in ihrem Eigentum waren.
Die Urteile von Richter Schack und einigen wenigen anderen Richtern, die sich auch die Mühe nehmen, die zum Teil Stapelweise eingereichten Enteignungsanträge zu prüfen, deuten darauf hin, dass nicht nur die Vergabepraxis der Hypotheken unverantwortlich war, sondern dass das darauf folgende Verhökern der Hypotheken einem Trickbetrug gleichkam, bei dem jede der Banken hoffte, nicht die letzte zu sein, an deren Bein die Papiere hängen würden.
Das Ausmass dieser Pfuscherei und Schieberei wird in einem Urteil von Richter Schack ersichtlich, wo dieselbe Person für verschiedene Firmen eine Hypothek sowohl verkaufte, kaufte und deren Güte mit einer eidesstattlichen Erklärung bekräftigte.
Das gesamte Bild der Immobilien-Krise in den USA ist ja schon katastrophal. Aber was sich hier auf dem Niveau des Einzelfalles zeigt, ist schockierend.Wenn ein solches Mass an Pfusch, Gewurstel und Manipulation scheinbar die Regel war, darf es einen nicht wundern, wenn das ganze darauf aufbauende System in der Folge zusammen krachte.
Auch wenn jetzt schon wieder von einem Aufschwung die Rede ist: dieser Augias-Stall muss erst noch ausgemistet werden, bevor es wirklich besser werden kann.