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Kolumne


Riesenerfolg für KISS im Vorarlberg

von Patrik Etschmayer / Montag, 21. September 2009

. Oh... Ich hoffe nicht, dass Sie zu lesen begonnen haben, weil Sie glauben, die legendäre Make-Up-Rock-Gruppe KISS habe im «Ländle» drüben ein Konzert gegeben. Nein. Das wäre wesentlich appetitlicher gewesen als das, worum es hier wirklich geht, um den Erfolg der nationalistischen FPÖ an den Vorarlberger Landtagswahlen.

Nachdem die FPÖ bei den letzten Wahlen 2004 von über 27 auf knappe 13% abgestürzt war, hat sie am Sonntag diesen Stimmenanteil fast verdoppelt und kommt nun wieder auf knapp über 25%. Von dem her wäre diese Wiederauferstehung nicht der Rede wert gewesen, war doch 2004 das Jahr der Parteispaltung, in dem es mit der FPÖ drunter und drüber ging. Doch die bisher eher dezent und zurückhaltenden Vorarlberger Freiheitlichen führten in diesem Jahr einen Wahlkampf, der es an Anstand und Würde fehlen liess, dafür aber mit Antisemitismus und Fremdenhass punktete. Scheinbar – und leider – mit Erfolg.

Die neue Rhetorik des Spitzenkandidaten Dieter Egger basierte dabei – ja, wir sind endlich bei des Rätsels Lösung – auf dem Motto «Keep it simple and stupid - KISS». Oder – wesentlich passender für diese deutsch-national angebräunte Heimat-Partei: Halt es einfach und blöd.

Diese erfolgreiche Verdummungsstrategie, die beim Wähler vor allem an diffuse Ängste und Vorurteile appelliert, wurde im ganzen Wahlkampf durchgezogen: Auf Plakaten, in Interviews und im Internet wurde auf der Heimatschutz-Schiene mit Volldampf gefahren. Und der Erfolg gibt der FPÖ recht, auch wenn die Partei nach antisemitisch anmutenden Äusserungen Eggers in Zukunft von der Mitwirkung in der Regierung ausgeschlossen ist: Die konservative ÖVP konnte nämlich ihre absolute Mehrheit halten und verzichtet in Zukunft auf die der FPÖ bisher freiwillig eingeräumte Regierungsbeteiligung.

Manche Leser werden jetzt über die dummen Ösis kichern, die zu einem Viertel einem selbst-definiert blöden Wahlkampf nach gelaufen sind. Naja... das Gackern sollten diese geflissentlich runter schlucken. Denn der FPÖ-Vorarlberg Wahlkampf samt der KISS-Strategie ist ein Eins-zu-eins-Import aus der Schweiz!

Nach der Niederlage an der letzten Landtagswahl suchte die FPÖ des Ländles nach Inspiration und fand sie denn auch in den Plakaten, die ein paar Kilometer weiter ennet des Rheins rumzuhängen pflegen: Schwarze Schafe, rote Ratten, gerupfte Hühner – ja, das zieht. Egal wie Heimat verbunden man als Partei auch erscheinen mag, da ein bewährter Fachmann fast immer für Erfolg birgt, heuerte man die Goal AG aus Dübendorf an, um sich rhetorisch ausbilden zu lassen und die Plakate zu konzipieren. Das ist dieselbe Firma, die mit ihren Kampagnen für die SVP in der Schweiz seit Jahren für rote Köpfe und Schlagzeilen sorgt.

KISS hat in der Schweiz seit Jahren teils durchschlagenden Erfolg. Dabei wird immer auch auf die extreme Empörung der politischen Gegner und deren Presse spekuliert, die durch die mit den Plakaten einhergehenden Schlagzeilen für eine Multiplikation der Werbewirkung sorgen.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis auch ausländische Parteien am nationalistischen Ende des Parteienspektrums die Taktik der einstigen Blocher-Truppe anwenden würden, ist diese doch eine der besten Methoden, jene an die Urnen zu locken, die sich ansonsten unverstanden, benachteiligt und durch rationale Argumente überfordert fühlen. Die Vorarlberger Wahlen vom Sonntag haben nun bewiesen, dass dies auch jenseits der Schweizer Grenzen funktioniert

Die SVP behauptet von sich ja immer, nichts mit den Nationalisten im Ausland gemein zu haben. Von nun an dürfte das aber etwas schwerer fallen – KISS sei dank.


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