von Patrik Etschmayer / Montag, 26. Oktober 2009
.
Als Kermit der Frosch vor etwa 40 Jahren in der Sesam-Strasse «it's not easy bein' green» sang, da dachte er wohl kaum daran, dass das Frosch-Sein noch viel mehr Probleme als nur ein grünes Äusseres bieten würde. Und nein, Miss Piggy ist da nicht damit gemeint.
Seit zwei Jahrzehnten schon fällt auf, dass immer mehr Amphibienarten aussterben. Wie auch beim Bienensterben wurde lange Zeit vor allem der Einfluss des Menschen auf den Lebensraum als Hauptursache betrachtet.
Die Zerstörung der Biotope, der Klimawandel und der Einfluss von Pestiziden auf die Vermehrung von Amphibien dürfen natürlich nicht ignoriert werden, aber selbst an Orten, wo der Mensch keinen Einfluss auf die Lebensräume hat, verschwinden Frösche, Kröten und Salamander. In den letzten Jahren wurde immer klarer, dass eine Pilzkrankheit, die Chytridiomykose, weltweit den kleinen Schleimern den Garaus macht.
Diese Pilzkrankheit befällt die Haut der Amphibien. Frösche, Lurche, Kröten und Salamander nehmen viele lebenswichtige Chemikalien durch ihre Haut auf, so auch Elektrolyte. Diese elektrisch leitenden Moleküle sind für die richtige Muskel- und Nervenfunktion entscheidend. Bei erkrankten Fröschen verhindert der Pilz deren Aufnahme durch die Haut: so haben Forscher im Urin kranker Tiere dramatisch niedrige Gehalte von Kalium und Natrium festgestellt. Diese Werte führten auf die logische Spur zur Todesursache der Frösche: Herzversagen.
«Es ist ein Versagen des elektrischen Systems das zu einem mechanischen Defekt führt. Ohne ein funktionierendes elektrisches System, dass dem Herzen den Rhythmus vorgibt, hört es auf, Blut zu pumpen,» beschrieb ein Co-Autor der Studie die Natur des Problems. EKG's an den Fröschen vor deren Tod bestätigten denn auch die Vermutung: Auf Herzrhythmusstörungen folgte der Herzstillstand. Wenn den Amphibien Elektrolyte enthaltende Medikamente gegeben wurden, überlebten sie einige Stunden oder Tage, um dann aber doch noch zu sterben.
Amphibien sind nicht irgendwelche Viecher. Amphibien waren die ersten Wirbeltiere, die vor etwa 370 Millionen Jahren das Wasser verliessen, das Land eroberten und sogleich begannen die Insekten, die etwa zur gleichen Zeit an Land gegangen waren, zu verspeisen. Und sie machen dies seither auf der ganzen Welt.
Doch diese Erfolgsgeschichte scheint nun in Gefahr zu sein. Die Aussterberate der Amphibien ist 211-mal höher als die normale zu erwartende Aussterberate (das Aussterben von Tierarten ist ein normaler Teil der evolutionären Entwicklung). Rechnet man die vom Aussterben bedrohten Arten mit ein, springt die Aussterberate von Besorgnis erregenden 211fach auf den schockierenden Faktor von 25000 bis über 45000fach. Oder um es krass zu sagen: wenn es so weiter geht, hat Kermit bald mal ausgequakt.
Und dies wäre keine kleine Sache: Frösche und andere Amphibien füllen eine wichtige ökologische Nische aus, indem sie Insekten en masse vertilgen. Fallen die Amphibien aus, wird es zu einer Massenvermehrung von diesen kommen - keine sehr angenehme Vision, vor allem wenn sich diese über die Nahrung von uns Menschen her machen.
Es kann uns also schon aus rein egoistischen Gründen nicht egal sein, wenn Kermits Kumpels über die Klinge springen sollten. Es ist deshalb wirklich wichtig, die Biotope der Amphibien weiter zu schützen, um nicht noch mehr Druck auf die grünen Hüpfer kommen zu lassen. Gleichzeitig müssen Wege gefunden werden, erkrankte Amphibien günstig und unkompliziert zu behandeln oder gar zu impfen. Einige interessante Ansätze gibt es, wie zum Beispiel den Einsatz von Pedobacter cryoconitis, einem probiotischen Bakterium. Auch interessant wäre zu wissen, warum die Amphibien von Madagaskar nicht von der Chytridiomykose heimgesucht werden.
Es sieht im Moment zwar düster für Kermit aus... aber mit ein wenig Glück und Einsatz auch von uns kann ein endgültiges Bye-Bye vielleicht doch noch verhindert werden.