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Kolumne


Volle Fahrt in die Finsternis

von Patrik Etschmayer / Donnerstag, 26. November 2009

. Es wurde als der Hacker-Coup schlechthin bezeichnet, als Anfang dieser Woche bekannt wurde, dass Datendiebe in die Computer von mehreren führenden Klimaforschern eingebrochen waren und dort den Mailverkehr von Jahren gestohlen hatten. Aus diesem ganzen Datenwust, der 63 Megabyte Textdateien umfasst, wurden 2 Zitate heraus gepickt, anhand derer bewiesen werden soll, dass es sich bei der ganzen Klimaerwärmung nur um eine Verschwörung von ein paar Forschern handelt.

Wenn ein Forscher schreibt, er habe einen Trick angewandt, um eine Datenreihe zu ergänzen, dann kann das zwar als «Fälschung» interpretiert werden, dürfte im Endeffekt aber nur darauf hinweisen, dass nicht alle Rohdaten so vorhanden waren, wie man sich das wünschte und deshalb mit Interpolation, einer mathematischen Methode, die fehlende Daten aus den vorhandenen zu errechnen und anderen Werkzeugen gearbeitet wurde, um die fehlenden Zahlen zu rekonstruieren. In komplexen Gebieten wie der Klimaforschung ein normales vorgehen.

Doch was Erwärmungs-Skeptiker am meisten freuen wird, ist das Eingeständnis eines Klimaforschers in einer der Mails, dass man sich die momentane Pause in der Klimaerwärmung nicht erklären könne. Denn, so die Folgerung der Skeptiker, damit sei ja wohl bewiesen, dass die Klimaerwärmung und das ganze drum herum nichts als eine Erfindung von ein paar Wissenschaftlern sei.

Alles was die Mails tatsächlich beweisen, ist, dass Klimawissenschaftler mit Datenlecks nicht umgehen können und ihre Kommunikationstalente gegenüber der Öffentlichkeit in einem solchen Thema miserabel sind.

Dass eine Erklärung für den Unterbruch der Erwärmung des Klimas trotz steigenden Kohlendioxid-Gehaltes in der Atmosphäre fehlt, liegt vor allem daran, dass für vollständige Klimamodelle noch wichtige Daten fehlen. Zum Beispiel jene über die variierende Strahlungsintensität der Sonne.

Warum dass diese Daten fehlen, wurde an dieser Stelle vor einem Jahr bereits geschildert: das DSCOVR – ein Weltall-Observatorium, das in der Lage wäre, eine genaue Strahlungsbilanz über die Stärke der Sonneneinstrahlung und die von der Erde wieder abgestrahlte Energie zu liefern, wurde während der Amtszeit von George W. Bush, dessen Verbindungen mit der Öl-Lobby ja bekannt sind, am Start gehindert und eingemottet.

So kann im Moment nur darüber spekuliert werden, ob die Sonne in den letzten Jahren durch eine ruhige Phase mit geringerer Strahlung gegangen ist (die niedrige Anzahl der Sonnenflecken deutet darauf hin). Sollte dies der Fall sein, erlebten wir in den letzten Jahren eine kühle Phase, welcher, sobald die Sonne wieder ihre normale Strahlungintensität erreicht, ein sprunghafter Anstieg der Temperatur folgen wird. Doch wie gesagt: Da das fertig gestellte Messinstrument aus opportunistischen Gründen auf dem Boden gehalten wurde, herrscht eine gewisse Unsicherheit.

Doch andere Dinge sind nach neuesten Daten klar: Die Polareiskappen schmelzen weiter ab und die Meeresspiegel steigen. In Cuxhafen zum Beispiel von 1900 bis 2006 um durchschnittlich 18cm.

Der Datenklau im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Kopenhagen und die Hoffnung, einen Beweis für eine gross angelegte Klimaverschwörung zu erbringen, passt perfekt in die von der Öllobby veranstaltete Taktik, Unklarheit und Zweifel zu sähen, ohne selbst einen Beitrag zur Erhellung der Sache zu leisten. Die Effekte von Kohlendioxid und Methan in der Atmosphäre sind bekannt. Ebenso die Menge, die jedes Jahr ausgestossen wird. Auch prähistorische Warmzeiten werden ziemlich schlüssig mit höheren CO2-Mengen in der Luft in Verbindung gebracht, während Eiszeiten sich durch tiefere CO2-Werte in der Luft auszeichnen.

Was bleibt sind Zweifel, böses Blut und die Tatsache, dass der Klimawandel immer noch «nur» eine relativ gut etablierte Hypothese, aber noch keine echte, wasserdichte wissenschaftliche Theorie (wie z.B. die Evolution oder die Gravitation) ist. Dies vor allem, weil immer noch gewisse Daten fehlen – nicht zuletzt, weil wichtige Werkzeuge noch irgendwo in Lagerhallen liegen (das DSCOVR Observatorium) und das System «Klima» so unglaublich komplex ist, dass man sich der Wahrheit nur in kleinen Schritten zu nähren vermag.

Wir sind sozusagen auf einem Schiff, dass in schwarzer Nacht durch ein unbekanntes Meer fährt. Die Klimaforscher haben ein paar Taschenlampen konstruiert und im fahlen Schein dieser Funzeln die Schatten und Reflektionen von etwas erspäht, das wie ein Eisberg aussieht. Nun ist die Frage: Soll man die Fahrt zurück nehmen, bis man den grossen Scheinwerfer fertig gebaut hat, der einem Klarheit über das, was voraus liegt geben könnte? Oder soll man einfach weiter in die Finsternis rauschen, jenen vertrauend, die die Xenonbirne des grossen Schweinwerfers versteckt haben, davon ausgehend, dass, da es bis jetzt nicht geknallt hat, es auch in Zukunft nicht scheppern wird?

 Hören Sie sich diese Kolumne auch als Audiodatei (mp3) an (gelesen vom Autor).




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