Peter Achten / Dienstag, 28. Februar 2012
Früher war alles anders. Beileibe aber nicht besser. Das muss wieder einmal gesagt sein.
Als Journalist oder Geschäftsmann gestaltete sich früher die Kommunikation umständlich, kompliziert und teuer. In der Superconstellation war das Reisen zwar lange, teuer und ermüdend, aber halt exklusiv. Zu jenen Zeiten war in der Reisetasche kein PC, kein iPad, kein Tablet und kein Handy verstaut. Dafür eine Hermes-Baby, ein Notizblock und ein Adress- und Telefonverzeichnis.
Heute im digitalen Zeitalter düst man in Rekord-Geschwindigkeit um die Welt. Das Reisen ist weniger ermüdend, billiger, aber eben mit Kreti und Pleti. Immerhin, dank digitalen Gadgets ist die Verbindung zur Firma oder in meinem Fall zur Redaktion nur einen Tastendruck entfernt und verglichen mit früher schon fast unanständig billig. Mitte der 80er-Jahre wurden Zeitungsartikel noch per Telex übermittelt. Vom Reich der Mitte aus kostete das umgerechnet satte 1500 bis 2000 Franken. Im Monat. Heute kostet das Versenden von Text, Radio- oder Video-Beiträgen einige müde Fränkli.
Kurz, alles ist schneller und billiger. Ob auch besser, sei zuhanden der Leserschaft hier offen gelassen. Dass das Reisen wegen der sich rasant entwickelten Technik jedoch einfacher geworden ist, bleibt fraglich. Früher mit der Hermes-Baby und dem guten alten normalen Fix-Telephon hatte man jedenfalls eine Sorge nicht: Stecker. So eine Lappalie! - werden Sie, kluger Leser und schöne Leserin, jetzt denken. Zu Unrecht. Spätestens auf Abenteuerreise in Turkmenistan wird der Haarföhn der Frau Gemahlin und der Rasierapparat des Herrn Gemahl nicht mehr funktionieren, weil die Steckdosen eben nicht Schweizer Normen und Qualitätsanforderungen entsprechen. Die Chancen, einen Adapter im Hotel in Turkmenistans Hauptstadt Aschgabad zu bekommen, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gleich null.
Da hilft es, wenn man wie ich mit einem ganzen Set von Steckern in der Weltgeschichte umher reist. Dabei sind nicht etwa jene sog. Weltstecker gemeint, die zu total überteuerten Preisen an Flughäfen, u.a. am Zurich Airport, zu erstehen sind. Diese Stecker, obwohl mit dem Prädikat «Welt» geadelt, sind kurz nach dem Grenzübergang obsolet. Das ist zugegebenermassen etwas übertrieben. Aber so weit wie nach Aschgabad muss man nicht reisen, um festzustellen, dass die Welt des Weltsteckers doch relativ klein ist. So reist sich am bequemsten mit einer wohl assortierten Auswahl an Steckern. In meinem Fall ist das ein kleiner roter Sack aus China-Seide. Er wiegt mittlerweile fast so viel wie meine leider vor Jahren entsorgte Hermes Baby. Aber es gibt wohl kein Land, wo aus dem Sack nicht der richtige Stecker hevorgezaubert werden könnte.
Auch in Aschgabad. Es muss aber nicht unbedingt Turkmenistan sein. Vor einiger Zeit in der hochentwickelten Schweiz ist mir jener Adapter-Stecker abhanden gekommen, der den chinesischen Teil meines PC-Kabels mit dem Schweizer Stromnetz verbunden hätte. Was tun? In Helvetien fürwahr kein Problem. Dachte ich. Nach unzähligen Filialen der beiden grössten Schweizer Anbieter von Haushalt-Elektronik und digitalem Schnickschnack wurde ich eines besseren belehrt. «Nein», hiess es, «das führen wir nicht». Oder etwas raffinierter: «Nein, im Augenblick nicht gerade vorrätig».
Die PC-Batterie hatte gerade noch fünfzehn Minuten Reserve. In Extremis eilte ich auf die Post. Immer weniger Poststellen - das hatte ich noch im Hinterkopf gespeichert. Und vor allem aber auch, dass La Posta Svizra jetzt alles und jedes zum Verkauf anbietet. Warum also nicht auch Stecker und Adapter. Und so war es. Schön aufgereiht am Stängeli fand ich meinen seltenen Stecker-Adapter. Über Aschgabad hinaus wird er im roten Seiden-Sack noch viele, viele Kilometer zurücklegen.