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Kolumne


Wie man eine Wahl fängt

Patrik Etschmayer / Montag, 5. März 2012

Es ist selten, dass ein Vorgänger und sein Nachfolger eines Kapitänspostens so harmonisch und glücklich miteinander auftraten, vor allem, wenn der Vorgänger gar nicht hätte abtreten müssen. Doch Putin und Medwedev, die Wahlfänger von Moskau, teilten sich gestern die Kommandobrücke in grosser Eintracht und nahmen die Huldigungen ihrer Anhänger gemeinsam entgegen. Und dazu bestand ja auch aller Grund, hatten sie doch soeben eine fette Wahl an Bord gezogen - und dies nach Ankündigung. Wie dies möglich war? Mit gewissenhafter Vorbereitung, einem perfekten Wahlkampf und Autobussen. Doch schauen wir das genauer an.

Zum einen war es natürlich entscheidend, Einigkeit und Harmonie auf der Kommandobrücke zu haben. Dafür war schon im letzten Herbst gesorgt worden, als der Interimskapitän Medwedev, angeblich nach einigen Momenten der Schwäche von seinem Nachfolger daran erinnert wurde, dass der Stuhl, auf dem er damals hatte mehr als drei Jahre sitzen dürfen, nur leihweise an ihn gegangen war und dass der wahre Kapitän - Putin - sehr gereizt auf alternative Ideen dazu reagieren würde.

Ebenso wichtig war es natürlich auch, dass alle anderen Wahlfänger, die auslaufen würden, völlig chancenlos wären, bei diesem Wahlfangtripp auch nur einen Hauch einer Chance zu haben. Deshalb waren schon seit Jahren alle potentiell gefährlichen Kapitäne kontinuierlich versenkt worden. So waren die wenigen Schiffe, die ausliefen entweder schon beim Auslaufen Leck wie jenes der Kommunisten oder von vorneherein schon Alibibötchen ohne Chance, auch nur einen Hering an Bord zu ziehen.

So war denn das Putin-Boot an sich schon ohne echte Konkurrenz am Start, doch dass hiess noch lange nicht, dass die Wahl auch schon mit Sicherheit harpuniert und dann ach so Fett wäre, dass man es bei diesem einen Wahlfangtripp belassen könnte ...

Weshalb dann die Autobusse zum Einsatz kamen, um sicher zu stellen, dass diese Wahl mit genügend richtigen Stimmen gefüttert wäre, bevor am Abend der Fang gewogen würde. Dazu fuhren Putins Stimmenfütterer zu hunderten in Bussen von Wahllokal zu Wahllokal und mästeten die Wahl geradezu. Zudem wurde den Gegnern in ihren lächerlichen Bötchen noch so manche Stimme gestohlen, so dass schon am Abend fest stand: Putin hatte seine Wahl auf sicher an Bord.

Bei der Zelebration seines Fanges liess er der neue Kapitän denn auch keinen Zweifel darüber, dass er der einzig richtige, einzig fähige Kapitän sei - die fette Wahl sei wohl Beweis genug für seine überragenden nautischen Fähigkeiten. So gerührt war er ob seiner Qualitäten, dass ihm sogar ein Tränchen im Auge stand ... oder war ihm nur der Geruch seines Fanges in die Nase gestiegen?

Denn dieser gab - obwohl gerade frisch harpuniert und zerlegt - bereits einen ganz klaren Verwesungsgeruch an seine Umgebung ab. Doch kümmerte dies Putin dabei vermutlich nicht speziell, wusste er doch, dass dieser Gestank unterdessen sogar in etablierten Demokratien immer mehr zum normalen Wahlfanggeschäft gehört.

Und ebenso, dass, wer lange genug diesem Gestank ausgesetzt ist, diesen fast nicht mehr bemerkt. Ebensowenig, dass einem fauliges Wahl-Fleisch zum Verzehr vorgesetzt wird. Und wenn erst mal die grosse Übelkeit kommt, ist es sowieso zu spät, noch etwas zu machen oder sich beim Wahlfänger zu beschweren.

Wohl bekomms.


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